Italiens Notenbankchef ist kaum noch zu halten
Die Vorwürfe lesen sich wie die Zutatenliste eines spannenden Wirtschaftsthrillers: Scheingeschäfte, illegale Absprachen, abgehörte Telefonate, unzulässige Begünstigung. Mit diesen Machenschaften schlägt sich die italienische Justiz nun schon seit einiger Zeit herum und im Mittelpunkt des Skandals steht pikanterweise der Präsident der Zentralbank, Antonio Fazio. Er soll obwohl als Bankenaufseher zu Neutralität verpflichtet italienische Bieter in der Übernahmeschlacht um die neuntgrößte italienische Bank, die Banca Antonveneta, begünstigt haben.
Schon seit mehreren Wochen ist der Skandal Thema in den großen italienischen Zeitungen, die es sich nicht nehmen ließen, ausführlich mitgeschnittene Telefonate zwischen Fazio und seinem guten Bekannten, dem Chef der kapitalschwachen Genossenschaftsbank Banca Popolare Italiana (BPI), Gianpiero Fiorani, abzudrucken. Nach Ansicht der ermittelnden Justizbehörden ermunterte Fazio Fiorani, ein Angebot für Antonveneta gegen die Offerte der niederländischen Bank ABN Amro abzugeben.
Angeblich floss für die Gefälligkeiten auch Geld. So deuten die Ermittler jedenfalls Äußerungen am Telefon zwischen Fazios Ehefrau Maria Cristina Rosati und Fiorani. Inzwischen ist der BPI-Chef suspendiert. Eine Richterin in Mailand erteilte ihm und weiteren Managern ein zweimonatiges Berufsverbot wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung und Kursmanipulation.
Vor diesem Hintergrund wird der Druck auf Fazio zusehends größer. Am Donnerstag forderte nun auch Arbeitgeberchef Luca di Montezemolo Fazios Rücktritt. «Ich denke, Antonio Fazio hätte zurücktreten müssen, denn wenn man so schwer die Glaubwürdigkeit und die Neutralität des Systems untergräbt, muss man die Konsequenzen daraus ziehen», wurde Montezemolo in italienischen Medien zitiert. Zuvor hatten auch Politiker der Opposition gewarnt, ein Verbleiben Fazios im Amt schade Italiens Glaubwürdigkeit und Ansehen.
Unter dem Druck will die Regierung offenbar die Banca d'Italia reformieren. So soll die Amtszeit des «Governatore» begrenzt werden. Auch soll der Zentralbankchef künftig seine Entscheidungen nicht mehr im Alleingang treffen, sondern gemeinsam mit einem Kollegium abstimmen. Erwogen wird auch eine Beschneidung der Bankenaufsichts-Kompetenzen der Banca d'Italia zumal die Zentralbank Eigentum der italienischen Banken ist. Ein Interessenskonflikt ist also vorprogrammiert.
Um das Gesicht zu wahren, könnte die Regierung die Lösung finden, dass Fazio bis Mitte nächsten Jahres im Amt bleibt dann wird er 70 Jahre alt und könnte aus Altersgründen das Amt abgeben. Fazio soll am 26. August vor einem Ministerausschuss zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Dann werden wohl auch die Reformvorschläge diskutiert. Fazio beharrt weiterhin darauf, nichts falsch gemacht zu haben.
Es ist nicht allein dieser Skandal, der ein äußerst schlechtes Licht auf die Banca d'Italia wirft. Beobachtern fällt sofort der Name Parmalat ein. So schrieb das britische Wirtschaftsmagazin «Economist», Italien habe offenbar aus dem Skandal um den Nahrungsmittelkonzern nichts gelernt. Auch damals versagte die Zentralbank in ihrer Rolle als Finanzmarktaufsicht.

