05.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Springer-Chef Springer-Chef Mathias Döpfner (l.) und Haim Saban
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Als integrierter Konzern will Springer die Chancen digitalisierter Medien nutzen. Von dem mit drei Milliarden Euro Schulden finanzierten Geschäft profitieren vor allem die US-Investoren um Haim Saban. Thema: Springer-Verlag kauft ProSiebenSat1 Prüfung der ProSiebenSat1-Übernahme durch Springer wird lange dauern Friede Springer lässt sich Mehrheit durch Übernahme von ProSiebenSat1 nicht nehmen De Posch will an ProSiebenSat1-Spitze bleiben Nach Sanierung kommt Aus für ProSiebenSat1 Anleger empören sich über Springer-Angebot DJV sieht Meinungsvielfalt gefährdet Springer wird mit ProSiebenSat1 verschmolzen Springer-Chef Döpfner ergreift mit Kauf von ProSiebenSat1 «einzigartige Gelegenheit» Springer sucht Geld für ProSieben-Kauf
Für die Übernahme der Mehrheit der Senderkette ProSiebenSat1 Media AG zahlt der Axel Springer Verlag
insgesamt rund 4,15 Milliarden Euro. Wie Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner am Freitag in München sagte, wird etwa eine Milliarde Euro für Kleinaktionäre bereit gestellt, die ihre stimmrechtslosen Vorzugsaktien des TV-Konzerns
gegen Bargeld tauschen können. Eine weitere halbe Milliarde diene der Finanzierung der für das Geschäft aufgenommenen Darlehen im Volumen von rund drei Milliarden Euro.
Der größte Teil fließt indes direkt an die früheren ProSiebenSat1-Mehrheitseigner um Haim Saban. Er hatte sich mit US-Investmentgesellschaften zu den German Media Partners zusammengeschlossen und kontrollierte über die P7S1 Holding bislang 88 Prozent der stimmberechtigten ProSiebenSat1-Stämme. Wie viel die Gruppe vor zwei Jahren für die Mehrheit aus der Konkursmasse des Kirch-Konzerns gezahlt hatte, wurde nie öffentlich gemacht. Laut Döpfner erhalten die Investoren nun 2,47 Milliarden Euro für ihre Anteile. Das «Wall Street Journal« berichtete, die Investoren würden damit ihren Einsatz verdreifachen. Saban selbst soll demnach sogar das vierfache seines Investments herausbekommen.
Gegen die »Googles und Yahoos«Bei einer Pressekonferenz sagte Döpfner, auch die Chancen der Digitalisierung hätten zur Kaufentscheidung beigetragen. Die wahren Wettbewerber der Zukunft seien die «Googles und die Yahoos», sagte er mit Blick auf die erfolgreichsten Anbieter von Suchmaschinen im Internet. «Wir werden auch diesen Wettbewerbern Paroli bieten», versprach Döpfner. Weil es für die beiden Unternehmen allein schwieriger gewesen wäre, sei dieses Argument «vielleicht die wichtigste Begründung dieser Transaktion».
Bei der TV-Kette setzt Springer auf Kontinuität. «Wir wären verrückt, wenn wir an dieser Mannschaft etwas ändern würden«, sagte der Springer-Vorstandschef. Weder redaktionell noch im laufenden Geschäft sei mit Umbauten zu rechnen, versicherte er. Einsparungen seien indes in der Verwaltung möglich. Springer gab zugleich eine Bestandsgarantie für die Standorte der TV-Kette ab.
Investition in »hochprofitables Geschäft«Nach Ansicht von Döpfner rechnet sich die Übernahme, ohne dass wir auf die Realisierung von Synergien angewiesen sind». Er verwies darauf, dass die «Investition für die Zukunft» in ein «hochprofitables Geschäft» getätigt werde. Alle Sender der Gruppe wiesen zuletzt nach deutlichen Einsparungen schwarze Zahlen aus.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Döpfner, dass die beiden Unternehmen zusammen einen Umsatz von 4,34 Milliarden Euro erzielen. Die Erlöse sollen im kommenden Jahr leicht auf knapp 4,5 Milliarden Euro anwachsen. Das erwartete Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) liegt für 2005 bei 681 und für 2006 bei 731 Millionen Euro. Unter dem Strich sollen dann 318 und 352 Millionen Euro in der Konzernkasse verbleiben.
Döpfner vor Prüfung gelassenDer anstehenden kartell- und medienrechtlichen Prüfung sieht Vorstandschef Döpfner gelassen entgegen. Er verwies auf den Konkurrenten Bertelsmann, der ebenfalls über Print- und TV-Geschäft verfüge und der «vier Mal mehr Umsatz erreicht». Das sei eine «gute Voraussetzug für die Genehmigung», gab sich der Springer-Chef zuversichtlich.
Eine Gefährdung der Meinungsvielfalt in deutschen Medien geht mit der Fusion aus seiner Sicht nicht einher. Es sei aber «völlig klar, dass darüber diskutiert wird». Bedenken der Behörden in diese Richtung könnten zu einem Verbot des Zusammenschlusses führen - das könnte Springer allerdings vor Gericht anfechten. Vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden will Döpfner den Kauf bis zum Jahresende abschließen.
Den Kleinaktionären wird ein voraussichtlich zehn Wochen gültiges Pflichtangebot von wahrscheinlich 14,10 Euro für die im M-Dax geführten Vorzugsaktien gemacht. Ist die Transaktion abgeschlossen, soll ProSiebenSat1 möglichst rasch komplett im Springer-Konzern aufgehen. (nz)