Versicherer kommen glimpflich davon
08.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Zerstörter Bus in London
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach den Anschlägen von London spielen die Versicherungskonzerne den Schaden herunter. Schließlich haben sie sich zu einem Pool für Terror-Risiken zusammengeschlossen - für den letztlich auch die britische Regierung mit haftet. Thema: Terror in London G8 zeigen sich einig im Kampf gegen Terror Intensive Fahndung nach Attentätern von London Sicherheitsrat verurteilt Anschläge in London Al Qaeda bekennt sich zu Londoner Anschlägen Tui nach Anschlägen nicht besorgt Londoner Börse fängt sich nach Anschlägen Chronologie der Anschläge in London
Die Terroranschläge von London dürften der Versicherungswirtschaft keinen allzu schweren Schaden zufügen: Bereits 1993 wurde in Großbritannien der Rückversicherer Pool Re gegründet, bei dem sich Versicherer gegen Terror-Schäden absichern können. Nach einem Anschlag der irischen IRA hatte sich die Privatwirtschaft zuvor weit gehend aus diesem Geschäftszweig zurückgezogen. Sollten selbst die Mittel von Pool Re nicht für den Schaden reichen, haftet das Londoner Finanzministerium in letzter Konsequenz mit.
Auch wenn die Schadenssumme noch nicht abschätzbar ist, dürfte sich die Belastung für die Versicherungskonzerne daher in Grenzen halten. Wahrscheinlich muss nicht einmal der Staat mithaften: In der «Financial Times» verwiesen Branchenkreise darauf, dass Pool Re über Mittel von rund zwei Milliarden Pfund Sterling (gut 2,9 Milliarden Euro) verfüge, zumal Großbritannien seit längerem von größeren Anschläge verschont geblieben sei. «Pool Re hat eine Menge Geld», zitierte das britische Wirtschaftsblatt einen Insider. Der Terror-Versicherer selbst teilte lediglich mit, das Unternehmen befinde sich in Gesprächen mit der Londoner Regierung.
Deutsche Versicherer beruhigenBereits am Vortag hatten sich die deutschen Versicherungskonzerne angesichts kräftiger Abschläge bei den Aktienkursen bemüht, ihre Belastungen als klein darzustellen. Sowohl ein Sprecher der Allianz
als auch ein Vertreter der Münchener Rück
verwiesen in der Netzeitung auf die Pool-Versicherung in Großbritannien, an der auch sie teil hätten. Am Freitagmorgen zog die im M-Dax geführte Hannover Rück
nach und teilte mit, die Anschläge in London seien für das Unternehmen «kein Großereignis». Die deutlichen Kursverluste hatten sich allerdings bereits im späten Frankfurter Handel am Donnerstag erheblich reduziert.
Mittel- bis langfristig könnte der Terror die Versicherungsgesellschaften dennoch belasten. Auch wenn sich bislang kaum ein Experte an eine Schadenschätzung herangewagt hat, zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, dass Terrorschäden meist zur Erhöhung der dafür zu zahlenden Prämien führt. Die müssten die Erstversicherer auf ihre Kunden abwälzen oder geringere Gewinne hinnehmen. (nz)