06.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Bahnchef Hartmut Mehdorn
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im ersten Halbjahr liegt «alles über Plan», heißt es aus dem Bahn-Aufsichtsrat. Im Fernverkehr könnten schneller schwarze Zahlen geschrieben werden als erhofft.
Möglicherweise kann die Deutsche Bahn in ihrer Fernverkehrssparte bereits 2006 schwarze Zahlen ausweisen und die Gewinnschwelle in diesem Geschäft ein Jahr schneller erreichen als angestrebt. Zwar erwirtschafte die Sparte noch Verlust, «aber nur noch leicht und damit deutlich weniger als geplant», zitierte die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) am Mittwoch aus Aufsichtsratskreisen des Konzerns.
Das Kontrollgremium war am Vortag vom Vorstand über die jüngste Geschäftsentwicklung informiert worden und hatte Werner Müller, der früheren parteilosen Bundeswirtschaftsminister und Vorstandschef des RAG-Konzerns, an seine Spitze gewählt.
«Alle Ergebnisse liegen über Plan»Das Unternehmen selbst hatte sich zu konkreten Zahlen bedeckt gehalten und nur von einer «sehr erfreulichen» Entwicklung im Fernverkehr gesprochen. Der Konzernumsatz habe bereits Ende Mai die Zehn-Milliarden-Euro-Schwelle überschritten und damit laut «SZ» und Nachrichtenagenturen im Jahresvergleich um 4,5 Prozent zugelegt. Wie aus den Unterlagen für den Aufsichtsrat, auf den sich Zeitung und Agenturen berufen, weiter hervorgeht, wurde insgesamt ein Betriebsergebnis vor Steuern von knapp 20 Millionen Euro verbucht. Damit wäre der deutlich negative Vorjahreswert um rund 100 Millionen Euro überschritten.
«Alle Ergebnisse liegen über Plan», zitierte die «SZ» das Aufsichtsratsmitglied weiter. Das müsste demnach auch für die Logistiksparte gelten, in der Konzernchef Hartmut Mehdorn bereits auf der Bilanzpressekonferenz insbesondere den Schienen-Frachtverkehr als Problemgeschäft benannt hatte. Dort ist zwar das Aufkommen gestiegen, durch verfallene Preise können die Kosten aber nicht mehr gedeckt werden.
Energiekosten könnten Tickets verteuernDer Konzernvorstand hatte zugesichert, die Probleme im Frachtgeschäft rasch anzugehen, auch wenn das zwei oder drei Jahre dauern könne. Für das gesamte Unternehmen will Mehdorn in diesem Jahr einen Konzerngewinn von 420 Millionen Euro erreichen.
Um dieses Ziel zu erreichen, könnte der Bahnchef aber gezwungen sein, die Preise anzuheben. In einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme zum Zwischenergebnis teilte Mehdorn mit, die «guten Umsätze» dürften «nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Kosten kräftig stiegen, vor allem auf dem Energiesektor». «Da müssen wir gegensteuern wie jedes andere Unternehmen auch», sagte er mit Blick auf mögliche Preiserhöhungen, die er schon zuvor angedeutet hatte.
Eine endgültige Entscheidung darüber ist aber offensichtlich noch nicht gefallen. Detaillierte Ergebnisse für die ersten sechs Monate will das Unternehmen im August bekannt geben. (nz)