28.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Ex-Finanzchef Fausto Tonna
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Elf in den Parmalat-Bilanzskandal Verwickelte haben am Dienstag ihre ersten Haftstrafen erhalten. In den meisten Fällen wurden sie zur Bewährung ausgesetzt.
Im Bilanz-Skandal um den italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat sind am Dienstag außergerichtlich die ersten Strafmaße festgelegt worden. Elf in den Skandal verwickelte Manager einigte sich mit den Anklagebehörden auf ihre Strafen. Dieses «patteggiamento» («Aushandeln») genannte Verfahren ist in Italien durchaus üblich, um das Verfahren abzukürzen.
Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, verhängte der Mailänder Richter Cesare Tacconi Haftstrafen von zehn Monaten bis zu zweieinhalb Jahren gegen ehemalige Finanzchefs, Buchhalter und Familienmitglieder des früheren Konzernchefs Calisto Tanzi, unter anderem wegen Verwicklung in betrügerischen Bankrott und Bilanzfälschung.
Tanzis Sohn verurteiltZur längsten Gefängnisstrafe verurteilte Tacconi den früheren Finanzchef Fausto Tonna, der zweieinhalb Jahre hinter Gittern muss. Der Rechtsberater Giampaolo Zini, der neben Tonna maßgeblich in die Milliardenpleite verwickelt sein soll, erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren. Bis auf Tonna und Zini wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings können die beiden Anträge auf Umwandlung der Haft in gemeinnützige Arbeit stellen.
Vor der Verkündung der Haftstrafen hatten sich Anklage und Verteidigung in einer Absprache auf ein niedrigeres Strafmaß geeinigt, nachdem die elf Beschuldigten Geständnisse abgelegt hatten. Zu den jetzt Verurteilten zählen auch Tanzis Sohn Stefano und sein Bruder Giovanni. Für Calisto Tanzi selbst hatte der Richter am vergangenen Wochenende ein «patteggiamento» abgelehnt. Sein Prozess beginnt am 28. September.
Angebliche Konten existierten nichtDem Parmalat-Gründer drohen bei zwei Prozessen in Mailand und Parma bis zu 15 Jahre Haft. Tanzi hatte bereits drei Monate in Untersuchungshaft und ein halbes Jahr unter Hausarrest verbracht. Neben ihm müssen sich weitere 15 in den Fall verwickelte Manager sowie drei juristische Personen vor Gericht verantworten, darunter die Revisionsgesellschaften Grant Thornton und Deloitte & Touche.
Die Anklage lautet vor allem auf Kurstreiberei und Falschangaben bei den Revisionen. Parmalat musste Ende 2003 Insolvenz anmelden, nachdem riesige Bilanzfälschungen aufgeflogen waren. Ans Tageslicht kam eine Verschuldung von fast 15 Milliarden Euro acht Mal mehr Schulden als zuvor bekannt. Angebliche Konten mit großen Guthaben existierten überhaupt nicht, außerdem Rechnungen gefälscht und so die Bilanzen frisiert worden. (nz)