netzeitung.deMerckle will HeidelbergCement übernehmen

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Die weit gehend unbekannte Spohn Cement will den Konkurrenten HeidelbergCement übernehmen. Im Hintergrund mischt die Unternehmerfamilie Merckle mit, die bereits Großaktionär bei HeidelbergCement ist.

Der Baustoff-Hersteller HeidelbergCement
ist Ziel einer Übernahme durch die unbekannte Spohn Cement. Das Unternehmen biete 60 Euro je HeidelbergCement-Aktie, teilte Spohn Cement am Freitagabend in Norderfriedrichskoog mit. Gemessen am Schlusskurs der HeidelbergCement-Aktie ist das ein Aufschlag von rund 20 Prozent. Die Aktie des Heidelberger Unternehmens schloss am Freitagabend im Xetra-Handel mit einem Plus von 2,1 Prozent bei 50,25 Euro.
Details werden noch bekannt gegeben
Wie Spohn Cement auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX mitteilte, halte das Unternehmen schon einen Anteil an HeidelbergCement. Genauere Angaben habe Spohn-Cement-Chef Werner Harder nicht machen wollen. «Am Montag und Dienstag wird es mehr Informationen geben», kündigte er an. Eine Finanzierungszusage von Großbanken liege für die 6,5 Milliarden Euro schwere Übernahme bereits vor. Das öffentliche Übernahmeangebot stehe unter dem Vorbehalt, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss billigen und gegebenenfalls weiterer in den Angebotsunterlagen noch mitzuteilender Bedingungen, hieß es.
HeidelCement lehnt Kommentar ab
HeidelbergCement wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben. Erst wenn Details vorliegen, könne man die geplante Übernahme kommentieren, sagte eine Sprecherin am Samstag. Spohn Cement kenne sie indes von den Teilnehmerlisten der Hauptversammlungen.

Aus öffentlich zugänglichen Dokumenten auf der Internetseite für Insidergeschäfte, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) betrieben wird, geht hervor, dass Spohn Cement am 14. März dieses Jahres rund 1,14 Millionen neue Aktien der HeidelbergCement für je 35 Euro gekauft hat.

Unternehmerfamilie Merckle mischt mit
Spohn Cement ist in Deutschland weit gehend unbekannt. Unternehmenschef Harder ist zugleich Chef der im Berliner Freiverkehr notierten Kötitzer Ledertuch- und Wachswerke (KLW), die ihren Sitz ebenfalls in Norderfriedrichskoog hat. Spohn Cement ist eine hundertprozentige Tochter von KLW, in deren Aufsichtsrat Jutta Merckle sitzt. Sie ist Tochter von Adolf Merckle, der seinerseits an HeidelbergCement beteiligt ist und mehr als 75 Prozent der Anteile an KLW hält.

Die Familie Merckle ist eine der reichsten und einflussreichsten Unternehmerfamilien Deutschlands und agiert weit gehend im Hintergrund. Zur Unternehmensgruppe Merckle gehört insbesondere der Generikahersteller Ratiopharm.

Steueroase Norderfriedrichskoog
Die nordfriesische Kleinstadt Norderfriedrichskoog ist als Steueroase bekannt: Die Stadt erhebt keine Kommunalsteuern wie Grund- oder Gewerbesteuer und ist deshalb für eine Vielzahl von Firmen juristischer Sitz.

HeidelbergCement zählt weltweit etwa 42.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört zu 22,44 Prozent dem Ulmer Zementunternehmen Schwenk und zu 12,8 Prozent Adolf Merckle. Die übrigen Aktien befinden sich in Streubesitz.


Für das Web ediert von Markus Scheffler