10. Jun 2005 14:53
1750 AEGler in Nürnberg müssen sich bis Ende Juni gedulden, um über die Zukunft ihrer Jobs informiert zu werden. Betriebsräte der deutschen Haushaltsgeräte-Hersteller wollen ihre Strategie abstimmen, um nicht übervorteilt zu werden.
Nach nur etwa zwei Stunden sind die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Belegschaftsvertretern über die Zukunft des Nürnberger AEG-Haushaltsgerätewerks ergebnislos vertagt worden. Ein neuer Termin sei für den 20. Juni angesetzt, teilten beide Seite nach dem Treffen mit. Der schwedische Mutterkonzern Electrolux hatte eine eingehende Prüfung des Standorts angekündigt und auch eine vollständige Schließung bei Verlagerung der Produktion nach Osteuropa nicht ausgeschlossen. In Nürnberg beschäftigt das Unternehmen 1750 Menschen.Ein Unternehmenssprecher betonte nach der ersten Gesprächsrunde, das Management habe Bereitschaft zu «zeit- und ergebnisoffenen Gesprächen» bekundet. Er verwies aber zugleich auf die schwierige Lage des Nürnberger Werkes, in dem vor allem Waschmaschinen und Geschirrspüler gefertigt werden. Die Preise für Haushaltsgeräte seien in den vergangenen zwei Jahren angesichts des «extremen Preiswettbewerbs» um 15 Prozent gefallen. Gleichzeitig habe AEG mit höheren Kosten für Energie und Vorprodukte wie Stahl zu kämpfen.
Die IG Metall warf dem Unternehmen hingegen eine «Zermürbungstaktik» vor. Der stellvertretende örtliche IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler forderte vom Management die Bereitschaft zu «ernsthaften Verhandlungen über eine Standort- und Beschäftigungssicherung». Am Vortag hatte ein Großteil der Belegschaft die Schichten früher beendet und vor dem Werk für einen Erhalt der Arbeitplätze demonstriert.Der AEG-Betriebsrat kündigte für den 24. Juni ein Treffen der Betriebsräte aller deutschen Haushaltsgeräte-Hersteller in München an. Daran würden auch Vertreter der italienischen Electrolux-Tochter Zanussi teilnehmen. Ziel sei es, eine gemeinsame Linie zu finden. «Wir wollen uns auf keinen Fall gegenüber anderen deutschen oder westeuropäischen Werken im Electrolux-Verbund ausspielen lassen», sagte ein Gewerkschaftsvertreter. (nz)