netzeitung.deDie Bahn hält sich für billig

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Bahnchef Hartmut Mehdorn (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bahnchef Hartmut Mehdorn
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Lidl ist billig - die Deutsche Bahn eigentlich auch, findet Konzernchef Mehdorn. Er will nicht die Preise, sondern die Wahrnehmung der Kunden verändern.

Von Kai Makus

«Wir wollen das Gefühl ziehen: Bahn ist billig», formuliert Hartmut Mehdorn etwas ungelenk auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Mittwoch in Berlin. Dabei hat er ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen – kein Wunder, gilt doch der Verkauf von Billigtickets über den Discounter Lidl in der vergangenen Wochen als uneingeschränkter Werbeerfolg für einen Konzern, dessen Leumund ansonsten nicht als der beste gilt. Vorstandschef Mehdorn erinnert daran, dass die Marketing-Offensive der Bahn bereits im vergangenen Jahr begonnen hatte. Eine Reaktion auf die schwachen Zahlen im Fernverkehr, an der vor allem Billig-Airlines Schuld sein sollen.

Vielleicht hat sich Mehdorn von der Billigflieger-Konkurrenz ein wenig inspirieren lassen. Denn er berichtet, die Bahn habe bei ihren Kunden «die Preiswahrnehmung nachhaltig durch unsere Aktionspreise beeinflusst». Meint in etwa Folgendes: Billig-Airlines verkaufen zwar meist auch nur Tickets zum Normalpreis. In der Bevölkerung werden sie aber über die wenigen von ihnen tatsächlich angebotenen, extrem billigen Flugscheine («zum Taxipreis») wahrgenommen.

Die neue Devise der Bahn
Mehdorn hat seine Strategie geändert: Bislang hatte er stets gewettert, die Billig-Airlines seien so billig – aus seiner Sicht zu billig -, weil sie hoch subventioniert werden. Am Mittwoch verweist er erneut darauf, dass für Flugbenzin weder Mineralöl- noch Ökosteuer fällig werden. «Jedes Flugticket zwischen München und Berlin wird vom Steuerzahler mit 25 Euro subventioniert», hat der Bahnchef ausrechnen lassen. Doch diese Vorwürfe stehen jetzt eher im Hintergrund: Nicht die Konkurrenz ist zu billig, sondern auch wir sind billig, lautet die neue Devise der Bahn.

Daher war auch der Abverkauf eines Bahn-Doppelfahrkarten über Lidl für 50 Euro «ein Riesen-Werbe-Erfolg», wie Mehdorn verkündet. Angesichts des Medienrummels hat er sicherlich recht. Er betont zwar, dass das «eine einmalige Aktion war, die wir in dieser Form nicht wiederholen». «Günstige Angebote wird es aber weiterhin geben», versichert der Bahnchef.

Neukunden im Visier
Dabei hebt Mehdorn nicht nur auf Sonderaktionen wie eben den Discounter-Verkauf oder Aktionen wir das laufende «Frühlings-Spezial» ab. Er verweist auch auf die Bahncard, die «wieder großen Zuspruch» finde. Im März sei die «Drei-Millionen-Euro.Marke geknackt» worden. Mit 3,2 Millionen Stück seien zwölf Prozent mehr Bahncards im umlauf als noch vor einem Jahr. «Über 80 Prozent der Fernverkehrsreisen finden zu vergünstigten Preisen statt», sagt Mehdorn. Die optisch hohen Grundpreise würden also die meisten Kunden gar nicht zahlen, weil sie früh buchen oder eine Bahncard haben.

Vielleicht hat die Bahn wirklich aus dem Desaster mit ihrem so genannten neuen Preissystem gelernt, das 2003 gleich noch einmal geändert werden musste. Zu kompliziert, befanden die Kunden und verließen IC und ICE gleich reihenweise. Wie beim Preissystem hat die Bahn auch mit den Billig-Tickets und anderen Aktionen nicht den Stammkunden im Visier: «Nur jeder zweite Deutsche fährt Bahn», sagt Mehdorn – der Rest solle es zumindest mal ausprobieren. «Viele kommen wieder», ist der Bahnchef überzeugt. Denn sie würden merken: «Bahn fahren ist nicht teuer», wiederholt er.