24.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Calisto Tanzi
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Anwälte des langjährigen Chefs von Parmalat, Tanzi, verhandeln mit der Staatsanwaltschaft schon vor Prozessbeginn über das Strafmaß. In Italien ist das durchaus üblich.
Der wegen Kurstreiberei angeklagte Ex-Chef des zusammengebrochenen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, verhandelt noch vor Prozessbeginn mit der Anklageseite über die ihm drohende Strafe. Derzeit sprächen Tanzis Anwälte mit der Staatsanwaltschaft über das Strafmaß, das dem Richter beim Prozess in Mailand vorgeschlagen werden soll, berichtete die Zeitung «Corriere della Sera» am Dienstag.
Voraussichtlich wolle er sich durch seine Anwälte mit der Staatsanwaltschaft auf zweieinhalb Jahre Gefängnisstrafe einigen, hieß es weiter. Richter Cesare Tacconi werde am 28. Juni darüber entscheiden, ob er dem Vorschlag stattgibt.
«Patteggiamento» üblichDas Verhandeln über das Strafmaß schon vor Prozessbeginn ist in Italien durchaus üblich. Durch dieses so genannte «Patteggiamento» («Aushandeln») sollen die Verfahren verkürzt werden. Dabei ist das beantragte Strafmaß im Verhältnis zur Strafe, die für die begangene Tat zu erwarten wäre, um bis zu einem Drittel reduziert. Entspricht das verhängte Strafmaß dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Betroffenem, ist gegen dieses Urteil dann keine Berufung zulässig.
Tanzi hat bereits drei Monate in Untersuchungshaft und ein halbes Jahr unter Hausarrest verbracht. Da der 66-Jährige zudem gesundheitlich angeschlagen ist, sei es möglich, dass er letztlich überhaupt nicht ins Gefängnis muss, wurde weiter berichtet.
Andere verhandelten auchAllerdings steht der frühere Parmalat-Chef auch in Parma vor Gericht, wo er unter anderem wegen betrügerischen Bankrotts und Bilanzfälschung angeklagt ist. Insgesamt drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Angeklagt ist auch der Ex-Finanzchef des Konzerns, Fausto Tonna. Auch er habe bereits ein Strafmaß von zweieinhalb Jahren beantragt, hieß es weiter.
Tanzis Bruder Giovanni und sein Sohn Stefano hätten sich mit der Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und elf Monate Gefängnis geeinigt. Parmalat war Ende 2003 unter einer Verschuldung von mehr als 15 Milliarden Euro zusammengebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass aufgrund von Bilanztricksereien und erfundenen Konten große Guthaben überhaupt nicht existierten. (nz)