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Wirtschaft hofft auf neue Atomwende

23. Mai 2005 20:24, ergänzt 20:41
Zufahrt zum Atomkraftwerk Philippsburg
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Börsianer und Stromkonzerne hoffen nach einem möglichen Regierungswechsel auf ein Aufweichen des Atomkompromisses. Neue Atomkraftwerke werden aber wohl keine mehr gebaut.

Thema: Vorgezogene Bundestagswahl
Die angekündigten Neuwahlen nähren in der Wirtschaft Hoffnungen auf eine Wende in der Energiepolitik. An der Frankfurter Börse stiegen am Montag Aktien der großen Stromkonzerne Eon und RWE deutlich im Kurs. Da spiegele sich die Erwartung, dass nach einem Regierungswechsel wieder verstärkt auf Atomenergie gesetzt wird, sagte Aktienexperte Thorsten Klöckner vom Berliner Freiverkehr der Netzeitung.

Auch die Branche selbst setzt auf ein Aufweichen der Ausstiegsvereinbarung. Der Vorstandschef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, sagte dem «Handelsblatt», es erscheine wahrscheinlich, dass die Union im Falle eines Regierungswechsels dazu bereit wäre, die Restlaufzeiten für die Atomkraftwerke unter bestimmten Rahmenbedingungen zu verlängern.

Ökonomie im Vordergrund

«Im Falle eines Wahlsieges der Union würden in Bezug auf die Stromwirtschaft die ökonomischen Aspekte gegenüber den ökologischen wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Konkret erwarte ich, dass Ökonomie und die Ökologie wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden und die massiven Subventionen für die Windkraft zurückgefahren werden», sagte Rauscher weiter.

Ein Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland sei allerdings nicht vorstellbar, egal in welcher politischen Konstellation, sagte der Chef des drittgrößten Stromkonzerns am deutschen Markt. «Das wäre nicht vermittelbar, auch nicht in der Öffentlichkeit.»

Union muss Position beziehen

Eine Sprecherin des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) sagte, entscheidend für die Stromwirtschaft in Deutschland sei langfristige Planungssicherheit. In den nächsten Jahren stehe die Branche vor milliardenschweren Investitionen in Netze und Kraftwerke. Umso wichtiger sei es zu wissen, wohin die Reise gehe. In der Frage des Atomausstiegs erwarte der Verband keine Änderungen. «Es gibt eine Vereinbarung und die Unternehmen werden sich daran halten.»

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) forderte die Union zu einem klaren Bekenntnis zum Atomausstieg auf. «Die Union muss deutlich und auch ehrlich Position beziehen», sagte Verbandspräsident Johannes Lackmann am Montag der Netzeitung. Mit Blick auf die Forderung der FDP, den Atomkonsens zu kippen, sagte er: «Ich glaube nicht, dass das politisch durchsetzbar ist.» Sollte die Wirtschaft nach neuen Standorten für Atomkraftwerke suchen, gäbe es «massive Akzeptanzprobleme».

Deutlich unter Druck standen am Montag Aktien von Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbarer Energien. Aktien des Herstellers von Solaranlagen Solarworld brachen um über 13 Prozent ein. Der Kurs des Windkraft- Unternehmens Plambeck sank um 8,9 Prozent. (nz)

 
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