Türkei bittet Schröder im Onur-Streit um Hilfe
17.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Recep Tayyip Erdogan (r.) mit Gerhard Schröder
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Onur Air will wegen des Flugverbots in den Niederlanden Klage einreichen. Berichte über defekte Triebwerke und abgefahrene Reifen seien «Teil einer Diffamierungskampagne».
Die türkische Fluggesellschaft Onur Air will wegen des Flugverbots in mehreren europäischen Ländern in den Niederlanden vor Gericht ziehen. «Wir werden unser Recht vor Gericht suchen», kündigte der Generaldirektor des Unternehmens, Cankut Bagana, am Dienstag in Istanbul an, wie das türkische Fernsehen berichtete. Das Problem betreffe nicht nur die private Onur Air, sondern auch die Türkei.
Onur will Erklärung für VerbotDie niederländische Flugaufsicht hatte am Donnerstag ein Start- und Landeverbot für Onur Air verhängt, das bis Mitte Juni in Kraft bleiben soll. Hintergrund sind angebliche schwere Sicherheitsmängel bei der Fluggesellschaft. Auch das für Deutschland zuständige Luftfahrtbundesamt erteilte ein unbefristetes Verbot. Ebenso entschieden die Behörden in der Schweiz und Frankreich. Zu Details äußerten sich die Ämter nicht.
Den Gang vor Gericht begründete Generaldirektor Bagana damit, dass die niederländischen Vertreter keine Antwort auf die Frage gegeben hätten, warum das Flugverbot verhängt worden sei. «Das einzige, was wir wollten, war eine Erklärung für die Entscheidung. Wir wollten erfahren, warum uns die Flugrechte genommen wurden», sagte Bagana. Das sei aber in der Onur Air zugestellten Verbotsbegründung nicht ausgeführt gewesen.
«Diffamierungskampagne»Onur Air dementierte Berichte über akute Sicherheitsmängel: Angaben, wonach Onur-Air-Maschinen durch defekte Triebwerke und abgefahrene Reifen aufgefallen seien, seien «Teil einer Diffamierungskampagne». Auch die türkische Verhandlungsdelegation bezeichnete die erhobenen Anschuldigungen als «nicht akzeptabel». Weil es an ein oder zwei Maschinen Mängel gegeben haben soll, könne man nicht eine ganze Flotte bestrafen.
Nach stundenlangen Verhandlungen zwischen niederländischen und türkischen Regierungsvertretern im Amsterdamer Flughafen Schiphol waren die Gespräche in der Nacht zu Dienstag ohne Ergebnis auf Mittwoch vertagt worden. Sie werden dann in Istanbul fortgesetzt. Türkischen Presseberichten zufolge hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gebeten, im Streit um die Start- und Landeverbote zu helfen. Unklar ist, ob Schröder der Bitte nachkommen will. (nz)