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Weinsteins und Disney trennen sich endgültig

30. Mrz 2005 11:56
Harvey Weinstein (l.) mit Michael Moore
Mit Michael Moores «Fahrenheit 9/11» eskalierte der Streit zwischen Disney-Chef Eisner und den Miramax-Gründern Bob und Harvey Weinstein. Ein Jahr später suchen sie Geldgeber für neue Projekte.

Bob und Harvey Weinstein brauchen Geld – obwohl sie eine Abfindung von gut 130 Millionen Dollar von ihrem derzeitigen Arbeitgeber, dem Unterhaltungskonzerns Walt Disney, bekommen, um die Zusammenarbeit zu beenden. Bis zu einer Milliarde Dollar wollen sie bei Investoren eintreiben, wie das «Wall Street Journal» am Mittwoch berichtete. Am Vorabend hatte Harvey Weinstein auf einer Pressekonferenz in Los Angeles angekündigt, damit sollten nicht nur Mittel für neue Projekte der beiden Brüder eingesammelt werden, die als Revolutionäre der Independent-Film-Branche gelten. Vielmehr soll am Ende eine «voll integriertes Medienunternehmen» entstehen, kündigte Harvey an: Neben Filmen sollen Bücher herausgegeben, Theateraufführungen und TV-Sendungen produziert werden.

Die Trennung vom Namen Miramax - jene von den Weinsteins gegründete und 1997 für 70 Millionen Dollar von Disney aufgekaufte Independent-Filmfirma, auf die sich der Ruf der Weinstein-Brüder in Hollywood gründet – sei bei der endgültigen Trennung vom Disney-Konzern «am schwersten gewesen», erzählte Harvey Weinstein. Kein Wunder, hatten die Brüder ihre Firma doch nach den Vornamen der Eltern, Miriam und Max, getauft. Der vorläufige Name ihres neuen Unternehmens signalisiert ebenfalls Familienzusammenhalt: Weinstein Company soll die Firma so lange heißen, bis den kreativen Köpfen besseres eingefallen ist.

Streit um «Fahrenheit 9/11»

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Spätestens seit dem Streit um Michael Moores Polit-Doku «Fahrenheit 9/11» im vergangenen Jahr war klar, dass es für die Weinsteins langfristig keine Zukunft mehr im Disney-Konzern geben wird. Vorstandschef Michael Eisner hatte sich strikt dagegen gewehrt, das von den Brüdern mit produzierte Werk zu vertreiben – zu heikel war Eisner offenbar Moores Film, der sich hart am damals im Wahlkampf stehenden Präsidenten George W. Bush abarbeitet. Die Weinsteins kauften ihrem Arbeitgeber die Rechte am Film ab und brachten ihn erfolgreich auf eigene Faust in die US-Kinos.

Am Dienstag die endgültige Trennung von Disney. Über finanzielle Details äußern sich die Beteiligten zwar nicht. Klar ist aber, dass Disney die Verwertungsrechte an den Miramax-Streifen behält. Das ist in Zeiten von DVD, immer rascheren TV-Veröffentlichungen und Kassenknüllern wie «Shakespeare in Love», «Der englische Patient» oder «Chicago» ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Das Recht, Fortsetzungen für Miramax-Streifen zu drehen, bleibt ebenfalls beim Konzern. Auch wird Disney die Buchsparte Miramax Books behalten, die Bücher zu den Filmen herausgibt und damit in den zurückliegenden Jahren immerhin 20 Bestseller zu Stande brachte.

Neues «Scary Movie» möglich

Hintergrund:
Die Weinsteins behalten hingegen die Namensrechte an Dimension, einer Firma, die sich auf die Produktion von Filmen für ein junges Publikum spezialisiert hat. Fortsetzungen, etwa für die Horrorkomödien-Reihe «Scary Movie», dürfen die Weinsteins ebenfalls drehen. Sie übernehmen auch einige der laufenden Projekte und könnten so bis zum Herbst die ersten Filme außerhalb des Disney-Konzerns in die Kinos bringen. Dafür allerdings zahlen sie ihrem derzeitigen Arbeitgeber, der sie noch bis September pro forma beschäftigt, eine ungenannte Summe.

Die Weinsteins könnten mit der Trennung von Disney in eine neue kreative Phase eintreten. Denn die endlosen Streitereien mit der Mutter um Budgets und um die bekannt familienfreundliche Linie der Disney-Veröffentlichungen sind damit vorbei. Und sie Weinsteins stoßen einen Verlustbringer ab, zumindest wenn man dem scheidenden Disney-Chef Eisner glaubt. Der hatte den Brüdern nämlich vorgeworfen, Miramax habe in drei der zurückliegenden fünf Jahre Verluste erwirtschaftet, was diese allerdings vehement bestreiten.

Zeitenwende bei Disney

Der Disney-Konzern steht mit dem angekündigten Abschied von Eisner ohnehin vor einer Zeitenwende. Zum Schluss war der Vorstandschef von den eigenen Aktionären, darunter Disney-Erbe Roy, so heftig kritisiert worden, dass er ein Misstrauensvotum auf den Hauptversammlung nur knapp überstand. Er habe die Kreativität von Konzerngründer Walt vergessen und statt dessen allein auf den schnellen Dollar gesetzt, warf ihm etwa dessen Enkel Roy Disney vor.

Steve Jobs, neben seinem Job als Apple-Chef auch an der Spitze des Noch-Disney-Partners und Animationsstudios Pixar, hatte sich mokiert, unter Eisners Führung würden nur noch Fortsetzungen von erfolgreichen Produktionen gedreht. Und der Exodus der Kreativen bei Disney dauert an: Wie die «Los Angeles Times» schreibt, haben Dutzende Miramax-Mitarbeiter in der vergangenen Wochen den Hut genommen. Angeblich dürfen bis zu 100 der gut 300 Beschäftigten mit den Weinsteins gehen und in ihrer neuen Firma arbeiten.

Kreativität gefordert

Aber auch denen wird der Aufbau eines integrierten Medienunternehmens sicher nicht leicht fallen. Denn ohne Disney im Rücken fehlt ihnen das Finanzpolster, das ein so großer Konzern seinen Töchtern bieten kann. Investoren stecken zudem nicht nur meist höhere Rendite-Ziele, sie setzen sie normalerweise auch konsequenter durch.

Einnahmen dürfte die Weinstein Corporation außerdem zunächst nur wenige haben, bleiben doch die Medienrechte an den früheren Kinohits der Brüder bei Disney. Bob und Harvey Weinstein sind also wie früher ganz auf ihre Kreativität angewiesen. Vielleicht tun sie sich dazu ja mit Steve Jobs' Pixar zusammen. Ähnliche Spekulationen gab es schon einmal.

 
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