Industrie sucht «Hitzeschild» gegen Microsoft
16.02.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Manchmal wechseln Allianzen zwischen Unternehmen verblüffend schnell insbesondere im Technologiesektor. So zeigten sich einige Beobachter durchaus verblüfft von der Nokia-Ankündigung vom Montag, künftig das Abspielen von Musikdateien im Microsoft-Format Windows Media Audio (WMA) auf seinen Handys möglich zu machen, und einen besseren Austausch zwischen PC und Mobiltelefon zu gewährleisten. Dabei gehörte Nokia bislang zu den schärfsten Gegner von Microsoft unter den Handy-Herstellern: Die Finnen riefen die Symbian-Allianz mit ins Leben, um den Angriff des US-Softwarekonzerns auf dem Markt für Handy-Betriebssysteme und Anwendungen abzublocken.
Auch für Marktführer Nokia wird die Luft dünner: Selbst wenn sich die Verkaufszahlen nach dem Einbruch im Vorjahr wieder erholten, sitzt US-Hersteller Motorola dem weltweit größten Handy-Hersteller im Nacken. Und: Motorola gab ebenfalls am Montag eine Zusammenarbeit mit Apple bekannt, damit die iTunes-Dateien des Computerherstellers künftig auch auf Motorola-Handys zu hören sind. Der Wettbewerb wirft ein Schlaglicht auf die Zukunft der Branche, die sich viel vom Verkauf digitaler Musik zum Abspielen auf dem Mobiltelefon verspricht.
Auch Ken Klein, Vorstandschef des an der Nasdaq notierten Unternehmens Wind River, eines Spezialisten für Geräte-Software, folgt Bill Gates auf seiner Vision hin zum «digitalen Wohnzimmer» allerdings nicht ganz bis zum Ende. Dass Microsoft sich bei Betriebsystemen außerhalb des PC-Markts und seinen Randbereichen durchsetzen könnten, glaubt Klein nicht, wie er im Gespräch mit der Netzeitung sagt. Zu hohe Markteintrittshürden, lautet sein Urteil: Es gebe eine «relativ ausgeprägte Ablehnung, ein negatives Gefühl gegenüber der Macht von Microsoft bei den großen OEM», hat Klein festgestellt. «Eine nicht geringe Zahl dieser Hersteller von Originalteilen hat den Microsoft-Film nämlich schon gesehen.»
«Unsere Freunde aus Redmond, Washington sehen ihre dominante Position auf dem PC-Markt und nehmen natürlich auch die steigende Konvergenz mit anderen Bereichen wie Unterhaltungselektronik wahr», sagt Klein. «Microsoft argumentiert in etwa so: Auch die Bedienung der Klimaanlage sieht inzwischen fast ein bisschen wie die Oberfläche eines PCs aus, also müssen wir auch bei Software für Klimaanlagen die stärksten sein.» Das wird Microsoft seiner Ansicht nach indes nicht gelingen: «Die Hersteller wollen nicht aufgeben und vor Microsoft in die Knie gehen, weil sie dem Konzern die Marktmacht überlassen müssen, wie das beim PC geschehen ist», ist Klein überzeugt.
«Wir haben den höchsten Respekt vor dem Unternehmen Microsoft. Aber an die Software, die einen Herzschrittmacher steuert, werden eben zu Recht andere Anforderungen gestellt als an Büro-Anwendungen, wo eine gewisse Anzahl von Fehlern tolerierbar ist», nennt Klein einen weiteren Grund, warum er sich nur wenig vor einem Angriff von Microsoft fürchtet.

