netzeitung.deGewinn von Merck bricht wegen Vioxx-Rücknahme um ein Fünftel ein

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Bislang hat der Merck-Chef Gilmartin nur für die Prozesse, nicht aber für eventuellen Schadenersatz im Vioxx-Skandal Vorsorge getroffen. Obwohl das Medikament nicht mehr verkauft wird, stieg der Umsatz stärker als erwartet.

Nach der Marktrücknahme der Schmerzmittels Vioxx hat der US-Pharmahersteller Merck & Co. im vierten Quartal deutlich an Gewinn eingebüßt. Wie das Unternehmen am Dienstag in Whitehouse Station im US-Bundesstaat New Jersey mitteilte, fiel in der Schlussperiode ein Überschuss von 1,1 Milliarden Dollar oder 50 Cent je Aktie an. Das ist ein Rückgang um 21 Prozent im Vergleich zu den 1,4 Milliarden Dollar oder 62 Cent je Aktie des Vorjahresquartal.

Das Ergebnis lag damit sowohl im Rahmen der Konzernprognose als auch der Analystenschätzungen: Merck hatte zuvor einen Gewinn je Aktie zwischen 48 und 53 Cent in Aussicht gestellt, die Experten hatten im Schnitt auf einen Wert von 56 Cent getippt. Obwohl die Rücknahme von Vioxx Merck nach eigenen Angaben bis zu 750 Millionen Dollar an Umsatz gekostet hat, stiegen die Verkäufe stärker als erwartet: Mit 5,75 Milliarden Dollar lagen sie um zwei Prozent über dem Vorjahresniveau von 5,6 Milliarden Dollar. Analysten hatten zudem nur einen Umsatz von 5,3 Milliarden Dollar erwartet.

Cox-2-Hemmer unter Verdacht
Merck hatte das Rheumapräparat Vioxx am 30. September vom Markt genommen. Zuvor hatte eine neue Studie nach Angaben des Konzerns Risiken für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezeigt. Am Tag der Marktrücknahme stürzte der Kurs der zu den US-Standardwerten gehörenden Aktie ab, der Börsenwert von Merck fiel schlagartig um fast 27 Milliarden Dollar.

Zugleich wurden ersten Sammelklagen eingereicht. Auch andere Medikamente, deren Wirkung auf den so genannten Cox-2-Hemmern beruht, gerieten in der Folge in Verdacht, darunter das Mittel Celebrex des Merck-Konkurrenten Pfizer. Laut einer neuen Schätzung der US-Gesundheitsbehörde FDA könnte Vioxx allein in den USA für 140.000 Herzkranke verantwortlich sein.

Keine Rückstellungen für Schadenersatz
Wie Merck am Dienstag weiter mitteilte, wurde die Rückstellungen für Gerichtskosten im Zusammenhang mit der Vioxx-Rücknahme um 604 auf 675 Millionen Dollar angehoben. Damit sei aber noch keine Vorsorge für eventuelle Schadenersatzzahlungen getroffen, hieß es.

Konzernchef Raymond Gilmartin sagte, sein Unternehmen werde die Vioxx-Rücknahme hinter sich lassen. Für das laufende Jahr stellte er einen Gewinn je Aktie zwischen 2,42 und 2,52 Dollar in Aussicht. Das liegt im Rahmen der Analystenerwartungen. Allein im ersten Quartal werde der Gewinn je Aktie 54 bis 58 Cent betragen, prognostizierte Gilmartin. Nachdem mit Vioxx ein Hauptumsatzbringer weggefallen sei, setzen Merck jetzt auf den Cholesterinsenker Zocor und das Präparat Fosamax, das gegen Osteoporose verabreicht wird. (nz)