netzeitung.deVioxx für mehr Tote verantwortlich gemacht

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Ein Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde FDA hat seine Schätzung der Vioxx-Opfer deutlich nach oben geschraubt. Graham will seinen Verdacht in einem wissenschaftlichen Artikel darlegen.

Bis zu 139.000 US-Amerikaner könnten seit 1999 an nicht bekannten Nebenwirkungen des Rheuma-Medikaments Vioxx gestorben sein oder schwere gesundheitliche Schäden davongetragen haben. Diese Zahl will der Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde FDA, David Graham, in einem neuen Artikel nennen, den er im britischen Fachblatt «The Lanzet» veröffentlichten will, kündigte Graham in der «Financial Times» vom Montag an.

Im November hatte der Experte vor einem Ausschuss des US-Parlaments noch eine Zahl von 28.000 Geschädigten durch das 1999 zugelassen und im September 2004 vom Hersteller Merck & Co. vom Markt genommene Medikament genannt. Als Grund hatte Merck neue Studie angeführt, deren Ergebnisse auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vioxx und Herzinfarkten und Schlaganfällen hindeute.

Cox-2-Hemmer in Verdacht
Graham hatte zugleich den Verdacht geäußert, auch andere Medikamente, deren Wirkung auf so genannten Cox-2-Hemmern beruht, könnten ähnliche Nebenwirkungen aufweisen. Damit war auch das Medikament Celebrex des weltgrößten Pharmaherstellers Pfizer in den Blick geraten. Pfizer hat inzwischen selbst eingestanden, dass einige Daten aus Studien des Konzerns den Verdacht nährten und wirbt nicht mehr für das Präparat.

Graham erneuerte in der «FT» sein Kritik an seinem Arbeitgeber. Die FDA habe ihm lediglich erlaubt, seine gesammelten Daten unter seinem eigenen Namen und unter Berufung auf seine eigene Fachkenntnis zu publizieren und eine Veröffentlichung der ursprünglichen Schätzung in «The Lancet» untersagt. Die Behörde habe ihm zudem gedroht, ihm zu kündigen. Dabei sei die Publikation in einer wissenschaftlichen Zeitschrift und der so ermöglichte Austausch mit anderen Fachleuten «der geeignete Platz», um die Risiken der verdächtigten Cox-2-Hemmer zu klären, betonte Graham.

FDA in der Kritik
Bereits direkt nach der Marktrücknahme von Vioxx waren in den USA erste Sammelklagen gegen den Hersteller eingereicht worden. Die nach oben korrigierte Schätzung der betroffenen könnte weitere Patienten veranlassen, sich ihnen anzuschließen.

Zugleich könnte der Streit zwischen Graham und der FDA weitere Kritiker der Behörde auf den Plan rufen. Sie war unter anderem deshalb angegriffen worden, weil die Abteilung für die Überwachung zugelassener Präparate zugunsten der Abteilung für die Zulassung neuer Medikamente geschwächt worden sei. Graham hatte vor dem Senat zudem gesagt, in ihrer gegenwärtigen Form sei die Behörde nicht in der Lage, die US-Bevölkerung vor weiteren Fällen wie Vioxx zu schützen. (nz)