16.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Time Warner hat sich mit US-Behörden auf die Zahlung einer Strafe geeinigt. Der Firmensparte AOL wurden Beihilfe zu Bilanzfälschung und ein falsch verbuchtes Geschäft mit Bertelsmann vorgeworfen.
Der US-Medienkonzern Time Warner hat im Disput um Bilanzfälschung seiner Online-Sparte America Online (AOL) einem Vergleich mit dem US-Justizministerium und der US-Aktienmarktaufsicht SEC zugestimmt. Im Rahmen des Vergleichs zahlt Time Warner dem Justizministerium 210 Millionen Dollar, wie beide Seiten am Mittwochabend in New York mitteilten. Zudem zahlt der Konzern weitere 300 Millionen Dollar an die SEC.
Hintergrund sind Vorwürfe um Fehlverhalten von AOL. Das Justizministerium warf der Managern der Time-Warner-Sparte vor, Geschäftspartnern bei Wertpapierbetrug geholfen zu haben. Dadurch seien die Einnahmen von AOL in den Bilanz unzulässig aufgebläht worden. Von den 210 Millionen Dollar sind 60 Millionen Strafen, während die restlichen 150 Millionen in einen Fonds für geschädigte Anleger gehen sollen.
Bertelsmann-Geschäft falsch verbuchtDer Streit mit der SEC drehte sich vor allem um die Verbuchung von Anzeigeneinnahmen von 400 Millionen Dollar aus einem Geschäft mit dem Bertelsmann-Konzern. Nach Ansicht der SEC wurde die Summe unzulässig als Erlös verbucht tatsächlich habe es sich aber um eine Kaufpreisminderung gehandelt, als AOL die Bertelsmann-Anteile an AOL Europe zurückkaufte. Die Einigung mit der SEC muss von den Bevollmächtigten der Aufsichtsbehörde noch gebilligt werden.
Time Warner gibt in dem der SEC vorgeschlagenen Vergleich allerdings - wie in den USA bei solchen Einigungen üblich - kein Fehlverhalten zu oder verneint es. Zudem stimmte Time Warner zu, eine unabhängige Kontrolle einzurichten, die die Wirksamkeit der internen Revision bei AOL prüfen soll.
Einigung war von Börse erwartetDas Verfahren des Justizministeriums geht indes weiter. Die Behörde teilte weiter mit, dass die Untersuchungen über mutmaßliche Beihilfe von AOL zu Manipulationen von Umsatzangaben fortgesetzt würden. Time Warner will nach eigenen Angaben mit den Ermittlern kooperieren. Es handelt sich allerdings um Fälle, die vor der Fusion von AOL und Time Warner im Januar 2001 geschahen.
Die Aktien von Time Warner schlossen am Mittwoch unverändert. Die Börsianer hatten die Einigung erwartet, nachdem der Konzern im vergangenen Monat 500 Millionen Dollar an Rückstellungen gemeldet hatte, um Streitigkeiten mit den Behörden zu klären, wie es damals hieß. (nz)