Verdi: Lidl schafft ein «Klima der Angst»
In dem Buch wird Lidl unter anderem Verletzungen der Arbeitnehmerrechte, Video-Überwachung der Mitarbeiter und das Ableisten unbezahlter Überstunden vorgeworfen. Mit über 100 Beschäftigten seien Gespräche geführt worden, teilte Verdi in Berlin mit. Der Erfolg des Unternehmens, das mittlerweile die Nummer vier im deutschen Lebensmittelhandel ist, gehe zu Lasten der Beschäftigten.
In den Filialen blieben bei ständiger Unterbesetzung, enormem Leistungsdruck und peniblen Kontrollen «menschenwürdige Arbeitsbedingungen auf der Strecke», sagte Wiethold. Unliebsame oder für Lidl offenbar zu teure Beschäftigte würden mit fragwürdigen Methoden aus dem Unternehmen gedrängt. «Von den 2500 Lidl-Filialen mit rund 30.000 Mitarbeitern gibt es bisher nur in sieben Betriebsräte», sagte Wiethold. Jetzt werde die Gewerkschaft Gegendruck erzeugen.
Einzelne Verstöße bestritt er jedoch nicht. Diese seien jedoch «immer Einzelfälle und eine Folge des schnellen Wachstums». Nach Bekanntwerden seien sie sofort abgestellt worden. Nach Firmenangaben gibt es in der Schwarz-Gruppe 314 «Betriebsratsgremien». In 80 Prozent der Lidl-Lagergesellschaften seien solche Gremien tätig. In ganzseitigen Anzeigen - unter anderem in der «Bild» - warb die Gruppe am Freitag damit, im kommenden Jahr 1600 zusätzliche Ausbildungsplätze bereitzustellen.
Die Gewerkschaft ist nach eigenen Angaben «sehr angetan» von der Reaktion der Schwarz-Gruppe. Sie weise darauf hin, dass sich Lidl erheblich getroffen fühle, sagte Wiethold.
Die Taschenkontrollen seien sogar von der Unternehmensspitze bestätigt worden, Videokameras setze das Unternehmen nur bei einem «absolut konkreten Verdacht» ein, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ein Schreiben der Unternehmensspitze. Darin seien die Kontrollen mit Unterschlagungen der Mitarbeiter in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr gerechtfertigt worden.
Jährlich liege der Inventurverlust der Unternehmensgruppe durch Kunden und Mitarbeiterdiebstahl bei 250 Millionen Euro. Jedoch werde der von den befragten Mitarbeitern erhobene Vorwurf, sie müssten unbezahlte Mehrarbeit vor Öffnung und nach Schließung der Läden leisten, bestritten. (nz)
