netzeitung.deUS-Behörde nach Vioxx-Skandal in der Kritik

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Derzeit ist die FDA «unfähig», Schutz vor Skandalen wie im Fall Vioxx zu bieten, sagt ein Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde. Vioxx-Produzent Merck sieht bei sich selber keine Schuld.

Bei einer Anhörung im US-Senat ist die Gesundheitsbehörde des Landes wegen ihres Vorgehens im Skandal um das Rheuma-Präparat Vioxx scharf kritisiert worden. David Graham, der für die FDA die Sicherheit von Medikamenten prüft und überwacht, sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) vor dem Finanzausschuss des Senats in Washington, in ihrer gegenwärtigen Form sei die Behörde «unfähig», die amerikanische Öffentlichkeit vor einem weiteren Medikamentenskandal zu schützen. «Wir sind praktisch wehrlos», sagte Graham.

Kritik an der Behörde war bereits aufgekommen, als der US-Pharmahersteller Merck das Präparat Ende September weltweit vom Markt genommen hatte. Zuvor hatte eine wissenschaftliche Studie Vioxx mit Herzanfällen und –infarkten in Verbindung gebracht. Die FDA hatte das Medikament zum Verkauf zugelassen. Später kam heraus, dass Vioxx unter Wissenschaftler bereits seit Jahren in Verdacht gestanden hatte, Herzprobleme auszulösen. Merck hatte die hinweise aber offenbar heruntergespielt oder schlicht ignoriert. In den USA klagen bereits mehrere Hundert Patienten gegen den Konzern.

Bis zu 160.000 Betroffene
FDA-Mitarbeiter Graham taxierte die Zahl der Herzattacken, die mit Vioxx in Verbindung stehen stünden, während der Anhörung auf bis zu 160.000. Er machte die Struktur der Gesundheitsbehörde mit dafür verantwortlich, dass die Gefahren nicht rechtzeitig erkannt seien. So sei die Abteilung für die Zulassung neuer Medikamente zwar gestärkt worden. Dadurch habe aber die Kontrolle von Medikamenten, die bereits vertrieben werden, gelitten.

Weil die FDA sowohl für die Zulassung als auch für die spätere Kontrolle verantwortlich sei, ergebe sich für die Arbeit der Behörde zudem ein «Interessenkonflikt», sagte Graham. Denn nachträgliche Warnungen ließen Zweifel an der FDA-Arbeit aufkommen, wenn ein Präparat zuvor für unbedenklich erklärt worden sei.

Weitere Mittel in Verdacht
Graham verwies darauf, dass es auch bei weiteren auf dem Markt befindlichen Medikamenten Bedenken geben. Namentlich nannte er den Cholesterin-Senker Crestor von Astrazeneca, Meridia von Abbott Laboratories, das zur Unterstützung von Diäten verordnet wird, das Akne-Mittel Accutane von Roche, das Schmerzmittel Bextra von Pfizer sowie das Asthma-Präparat Serevent des britischen Konzerns Glaxosmithkline.

Merck-Chef Raymond Gilmartin versicherte vor dem Parlamentsausschuss erneut, sei Unternehmen habe mit der Marktrücknahme von Vioxx «angemessen» gehandelt. Dass es bereits früh Bedenken über das Präparat gegeben hätte, wies er nochmals zurück. Gilmartin sagte, selbst seine Frau habe Vioxx eingenommen – und zwar «bis wir es vom Markt genommen haben», betonte der Firmenchef. (nz)