netzeitung.deMicrosofts «Underdog» ist gestartet

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Die neue Suche von Microsoft (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die neue Suche von Microsoft
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Microsoft hat eine Beta-Version seiner eigenen Internet-Suchmaschine freigeschaltet. Mit «Underdog» wird dem Hauptkonkurrenten Google der Kampf angesagt.

Von Marcus Gatzke

Wer mit der neuen Suchmaschine des amerikanischen Softwareherstellers Microsoft nach dem Stichwort «Microsoft» sucht, bekommt rund 86 Millionen Treffer. Hauptkonkurrent Google liegt zumindest in diesem Punkt noch weit vorne: Der Marktführer bei Internetsuchmaschinen findet immerhin rund 204 Millionen Seiten, die auf irgendeine Art das Stichwort «Microsoft» beinhalten.

Am Donnerstag hat der weltweit größte Softwarehersteller eine erste Beta-Version seiner Suchtechnologie vorgestellt, an der das Unternehmen seit nunmehr 18 Monaten arbeitet. Die bisherigen Kosten belaufen sich nach einem Bericht des «Wall Street Journal» (WSJ) auf mehr als 100 Millionen Dollar. Und der Name ist dabei (noch) Programm: «Underdog» wird das neue Produkt aus dem Hause Microsoft intern genannt.

Zurzeit ist die Suche im Vergleich zum Konkurrenten Google wirklich ein «Underdog» - das soll sich aber nach dem Willen von Microsoft-Chef Steve Ballmer schnell ändern: «Wir werden einholen, und wir werden überholen», ist er überzeugt.

«Underdog» nicht immer verfügbar
Microsoft will sich nach eigenen Angaben unter anderem dadurch von der Konkurrenz absetzen, dass die Suchmaschine auch Fragen beantworten kann. Bei einfachen scheint das auch zu gelingen: Die Frage «Who is the president of the United States?» führt direkt zur Seite des Oval Office im Weißen Haus. Auf die Frage nach dem derzeitigen deutschen Bundeskanzler verweist die Suchmaschine zwar nicht auf das Bundeskanzleramt, aber immerhin auf einen Eintrag in einer Online-Enzyklopädie, wo die Frage beantwortet wird.

Auch Rechenaufgaben wie «What is seven times twenty?» soll «Underdog» beantworten können. Getestet werden konnte das aber nicht, da die Beta-Version bei dieser Frage prompt ausfiel - was am Donnerstagvormittag öfter geschah. Und: Google kann vieles, was Microsoft als neu anpreist, schon jetzt und verweist bei gleicher Suchart auf die selben Seiten.

Google hat zudem derzeit noch weitere Vorteile: Die Suchtechnologie wurde in den vergangenen sechs Jahren immer wieder verbessert und verfeinert. Der Name Google dürfte unter Internet-Nutzern einen ähnlich hohen Bekanntheitsgrad haben wie Microsoft. Google ist zudem nicht der einzige große Konkurrent auf dem Markt für Internet-Suche: Yahoo hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar in Zukäufe investiert und besitzt selbst mit Inktomi eine erfolgreiche Such-Technologie.

Gates musste überzeugt werden
Den Angaben von Microsoft zufolge wird der Datenbestand der MSN-Suche wöchentlich bis täglich aktualisiert. Weniger defekte Links sollen das Resultat sein. Noch durchsucht «Underdog» aber nur etwa ein Viertel so viele Seiten wie Konkurrent Google.

Microsoft hat lange gezögert, selbst eine eigene Technologie zu entwickeln. Eine Partnerschaft mit Yahoo ersetzte bisher die eigene Suche auf MSN.com. Laut «WSJ» hat sich schlussendlich aber auch Microsoft-Gründer Bill Gates von der großen Bedeutung einer eigenen Entwicklung überzeugen lassen. Er habe zwar die strategische Bedeutung des Projekts von Anfang an verstanden, sei aber zu Beginn noch skeptisch gewesen, ob ein so großes Engagement in eine Eigenentwicklung wirklich die richtige Entscheidung sei, zitierte die Zeitung Unternehmens-Insider.

Am Ende gewinnt immer Microsoft
Letztlich habe sich aber auch Gates hinter das Projekt gestellt. Noch vor zwei Wochen habe der Firmengründer den Projektleitern gesagt, dass sie vor der «heldenhaften Herausforderung» im Wettbewerb um die beste Such-Technologie stehen würden. Immerhin ist die Internet-Suche in den USA die zweithäufigste Tätigkeit von Internetnutzern – gleich hinter dem Schreiben und Abrufen von E-Mails.

Microsoft strotzt – trotz der starken Konkurrenz - vor Optimismus: «Niemand hat bisher eine vollständige Suchmaschine in nur 18 Monaten entwickelt», sagte Microsoft-Vize-Präsident Yusuf Mehdi. Die Vergangenheit gibt ihm dabei recht: Microsoft ist auch bei Internet-Browsern sehr spät mit einem eigenen Produkt an den Start gegangen. Jetzt ist Microsoft aber auch in diesem Segment Marktführer und Quasi-Monopolist.