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Merck kämpfte jahrelang gegen
Bedenken über Vioxx-Probleme

01. Nov 2004 19:40
Der US-Pharmakonzern Merck wollte sich offenbar das Geschäft mit Vioxx nicht kaputt machen. Einem Bericht zufolge machten sich Mitarbeiter Gedanken, wie man die intern bekannten Nebenwirkungen des Mittels herunterspielen kann.

Der US-Pharmahersteller Merck & Co. hat einem Pressebericht zufolge jahrelang versucht, Bedenken über gefährliche Nebenwirkungen des Ende September vom Markt genommenen Arthritismittels Vioxx zu unterdrücken - wohl, um den wirtschaftlichen Erfolg des Präparats nicht zu gefährden. Wie das «Wall Street Journal» (WSJ) am Montag berichtete, zeigen interne Memos und E-Mails, dass Führungskräfte schon Ende der Neunziger Jahre beunruhigt waren über ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Einnahme von Vioxx. Nach Veröffentlichung des «WSJ»-Artikels fielen Merck-Aktien um mehr als neun Prozent.

Interne Bedenken

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Der Zeitung liegt dem Bericht zufolge interner E-Mail-Verkehr vor, aus dem hervorgeht, dass Manager intern diskutierten, wie man eine Studie so konzipieren könne, dass die Ergebnisse so wenig wie möglich ein erhöhtes Herzinfarktrisiko aufzeigen. Schon in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre zeigten sich demnach einige Mitarbeiter besorgt, dass Vioxx ein höheres Infarktrisiko mit sich bringen könnte als billigere Schmerzmittel, die dafür weniger gut magenverträglich waren.

Dem Bericht zufolge startete Merck Anfang 1999 eine Studie namens Vigor, in der von 8000 Menschen Vioxx getestet wurde. Patienten mit hohem Risiko von Herzbeschwerden seien dabei ausgenommen worden. Anfang 2000 lagen die Vigor-Ergebnisse vor: Zwar hatten die Patienten weniger Magenbeschwerden mit Vioxx als mit Mitteln als ältere Mittel der Naproxen-Gruppe. Allerdings traten signifikant mehr Probleme durch Blutgerinnsel auf.

Merck: E-Mails aus Kontext gerissen

Dies räumte Merck-Forschungschef Edward Scolnick laut «WSJ» in einer E-Mail vom 9. März 2000 ein. Darin heiße es, dass Herz-Kreislauf-Wirkungen «eindeutig» vorhanden seien. Allerdings habe er geschrieben, dass es bei Medikamenten immer ein Risiko gebe, so die Zeitung weiter. In einer Pressemitteilung vom April 2000 habe Merck indes nicht auf das Risiko hingewiesen, sondern mitgeteilt, dass Studien keinen Unterschied beim Auftreten von Herz-Kreislauf-Vorfällen zwischen Vioxx und älteren Schmerzmitteln gezeigt hätten.

Ein Merck-Anwalt sagte auf Anfrage des «Wall Street Journal», die E-Mails seien aus dem Kontext gerissen und gäben das Verhalten von Merck und seinen Mitarbeitern nicht richtig wieder. Die Zeitung ergänzte, dass Merck allerdings auch keine weiteren Dokumente vorgelegt habe, um den Kontext der dem «WSJ» vorliegenden E-Mails zu erläutern.

Wissenschaftler verklagt

Dem Bericht zufolge ging Merck vor einigen Jahren auch gegen Wissenschaftler vor, die sich kritisch zu Vioxx geäußert und dabei mögliche Infarktrisiken erwähnt hatten. So soll Merck laut «WSJ» einen Pharmakologen aus Barcelona verklagt haben, um ihn zu einer Korrektur in einem von ihm geschriebenen Fachartikel zu Vioxx vom Sommer 2002 zu zwingen – ohne Erfolg. Im Januar 2004 entschied ein spanisches Gericht, dass der Artikel die medizinische Debatte über die Herz-Kreislauf-Sicherheit von Vioxx getreu wiedergebe. In Boston beschwerte sich Merck laut «WSJ» bei Vorgesetzten eines Rheuma-Experten, der ebenfalls laut Bedenken über Vioxx geäußert hatte.

Selbst als die Belege für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko von Vioxx zunahmen, habe Merck an seiner Haltung festgehalten, so die Zeitung. So habe eine von Merck in Auftrag gegebene Studie der Harvard-Universität in diesem Jahr ergeben, dass Vioxx «mit einem erhöhten relativen Risiko» von Herzinfarkten verbunden sei, im Vergleich zum Konkurrenzprodukt Celebrex des Rivalen Pfizer.

Ursachen noch nicht genau geklärt

Ende August 2004 wiesen Ergebnisse eines Forschers der US-Fachaufsichtsbehörde FDA gleiche Korrelationen auf. Doch noch immer habe Merck sich nicht beirren lassen, so das «Wall Street Journal», und die FDA-Ergebnisse zurückgewiesen. Einen Monat später nahm Merck das Präparat weltweit vom Markt – eine weitere Langzeitstudie hatte das erhöhte Infarktrisiko klar nachgewiesen.

Vioxx war ein Umsatzbringer des US-Konzerns: Das Mittel trug rund elf Prozent zum Umsatz des Unternehmens bei. Noch ist nicht ganz klar, worin die Probleme bei Vioxx genau liegen. Das Präparat zählte zu der Gruppe der so genannten Cox-2-Inhibitoren, ebenso das Pfizer-Konkurrenzprodukt Celebrex. Während einige Wissenschaftler davon ausgehen, dass alle Cox-2-Inhibitoren ein erhöhtes Infarktrisiko aufweisen, legen andere Studien nahe, dass Celebrex nicht die Probleme von Vioxx teilt. (nz)

 
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