Streik im Opel-Werk in Bochum könnte GM in ganz Europa lahmlegen
15.10.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall wird in Bochum am Freitag wahrscheinlich überhaupt nicht gearbeitet. Offiziell streiken dürfen die Mitarbeiter aber noch nicht, denn damit würden sie gegen die Friedenspflicht verstoßen.
Der Frust unter dem Mitarbeitern über die geplanten Massenentlassungen bei der General-Motors-Tochter Opel sitzt tief, richtet sich aber nicht nur gegen die Unternehmensleitung: «Die Regierung hat mindestens genauso viel Schuld wie das Management», sagte ein Opel-Arbeiter der Netzeitung. Sie dürfte jetzt keine «Krododilstränen» vergießen, betont er und kritisiert gleichzeitig die von der Regierung beschlossenen Hartz IV genannten Arbeitsmarktreformen.
Dem Management unterstellen die Arbeiter, «dummes Zeug» zu reden: Statt die massiven Unterkapazitäten in Deutschland zu nutzen, werde in Polen «noch ein neues Werk gebaut». Dabei könnten sich die Polen die Fahrzeuge gar nicht leisten. «Die Autos werden wieder nach Deutschland gebracht, um sie hier zu verkaufen», ärgert sich der Opel-Beschäftigte.
Die Bereitschaft, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen, haben die Mitarbeiter aber noch nicht verloren: Betriebsratsmitglied Lothar Marquardt sagte, die gesamte Produktion stehe still. Etwa 200 bis 250 Beschäftigte stünden am Haupttor, die Tore am Werk seien geschlossen. «Es geht nichts raus und nichts rein», betonte Marquardt. Vor den Werkstoren standen unschlüssige Fahrer von Zuliefer-Firmen. Sie wurden von den Beschäftigten nicht auf das Gelände gelassen.
Das Opel-Werk in Bochum gilt als ein neuralgischer Punkt für die gesamte Auto-Produktion in Europa. In Bochum werden Achsen gefertigt, die in vielen anderen europäischen Produktionsstätten benötigt werden. Nach Angaben aus Betriebsratskreisen «hortet» GM schon seit längerem solche Achsen, um im Falle eines Streiks in anderen Werken weiterproduzieren zu können. «Wenn die Achse steht, dann steht ganz Europa», geben sich die Mitarbeiter gewohnt kampfbereit. Die Bochumer Belegschaft hat sich bereits früher mit Arbeitskämpfen hervorgetan.
Der Autohersteller General Motors will in Europa mindestens 12.000 Stellen streichen, nach Gewerkschaftsinformationen etwa 10.000 davon in Deutschland. Die Hauptlast trägt somit Opel. In Rüsselsheim und Bochum sollen voraussichtlich jeweils 4000 Stellen wegfallen. Am kommenden Dienstag soll es an allen Standorten von General Motors in Europa zu Protestkundgebungen kommen.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke
