netzeitung.deStreik im Opel-Werk in Bochum könnte GM in ganz Europa lahmlegen

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Lupe Streik im Opel-Werk in Bochum könnte GM in ganz Europa lahmlegen

Die Mitarbeiter im Opel-Werk in Bochum sind im Ausstand - mit möglicherweise weit reichenden Folgen für die gesamte Produktion in Europa. Das Motto: «Wenn die Achse steht, steht ganz Europa.» ...

Bei Opel in Bochum stehen die Bänder seit Donnerstagnachmittag still. Die Frühschicht am Freitagmorgen erschien lediglich, um sich beim zuständigen Vorgesetzten anzumelden - dann ging es gleich vor die Werkstore. Offiziell, um ihr «Informationsrecht» wahrzunehmen«, inoffiziell um gegen die geplanten Massenentlassungen zu protestieren.

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall wird in Bochum am Freitag wahrscheinlich überhaupt nicht gearbeitet. Offiziell streiken dürfen die Mitarbeiter aber noch nicht, denn damit würden sie gegen die Friedenspflicht verstoßen.

Der Frust unter dem Mitarbeitern über die geplanten Massenentlassungen bei der General-Motors-Tochter Opel sitzt tief, richtet sich aber nicht nur gegen die Unternehmensleitung: «Die Regierung hat mindestens genauso viel Schuld wie das Management», sagte ein Opel-Arbeiter der Netzeitung. Sie dürfte jetzt keine «Krododilstränen» vergießen, betont er und kritisiert gleichzeitig die von der Regierung beschlossenen Hartz IV genannten Arbeitsmarktreformen.

Keine Chance auf neuen Job
Die meisten Mitarbeiter hätten keine großen Chancen, nach einer Entlassung einen neuen Arbeitsplatz zu finden. «Viele müssen dann bald das Formular zum Arbeitslosengeld II ausfüllen», sagte ein anderer Opel-Arbeiter.

Dem Management unterstellen die Arbeiter, «dummes Zeug» zu reden: Statt die massiven Unterkapazitäten in Deutschland zu nutzen, werde in Polen «noch ein neues Werk gebaut». Dabei könnten sich die Polen die Fahrzeuge gar nicht leisten. «Die Autos werden wieder nach Deutschland gebracht, um sie hier zu verkaufen», ärgert sich der Opel-Beschäftigte.

«Tritt in die Kniekehle»
Auch in Opel-Internetforen wird heftig über die Sparmaßnahmen gestritten: «Existenzen hängen an einen Seidenen Faden, Familien stehen vor dem nichts, warum, weil vor Jahren in der Führungsetage gepennt wurde, falsche Entscheidungen getroffen wurden», schimpft dort ein Beschäftigter. «Was jetzt passiert, ist in Tritt in die Kniekehle für jeden Einzelnen.»

Die Bereitschaft, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen, haben die Mitarbeiter aber noch nicht verloren: Betriebsratsmitglied Lothar Marquardt sagte, die gesamte Produktion stehe still. Etwa 200 bis 250 Beschäftigte stünden am Haupttor, die Tore am Werk seien geschlossen. «Es geht nichts raus und nichts rein», betonte Marquardt. Vor den Werkstoren standen unschlüssige Fahrer von Zuliefer-Firmen. Sie wurden von den Beschäftigten nicht auf das Gelände gelassen.

Bochum könnte Produktion lahmlegen
Er gehe davon aus, dass den ganzen Tag weiterhin nicht gearbeitet werde, sagte Marquardt weiter. Die spontane Arbeitsniederlegung begann am Donnerstagnachmittag, während der Nachtschicht hatten sich rund 1500 Beschäftigte vor dem Betrieb versammelt. Am Opel-Stammwerk in Rüsselsheim wird unterdessen weiter gearbietet. Dort riet der Betriebsrat den Beschäftigten von einem wilden Streik ab.

Das Opel-Werk in Bochum gilt als ein neuralgischer Punkt für die gesamte Auto-Produktion in Europa. In Bochum werden Achsen gefertigt, die in vielen anderen europäischen Produktionsstätten benötigt werden. Nach Angaben aus Betriebsratskreisen «hortet» GM schon seit längerem solche Achsen, um im Falle eines Streiks in anderen Werken weiterproduzieren zu können. «Wenn die Achse steht, dann steht ganz Europa», geben sich die Mitarbeiter gewohnt kampfbereit. Die Bochumer Belegschaft hat sich bereits früher mit Arbeitskämpfen hervorgetan.

10.000 Stellen in Deutschland
Am Freitag will der Bochumer Betriebsrat mit zwei Kollegen in Rüsselsheim an Beratungen des Aufsichtsrats teilnehmen. Dort sollen auch Vorstandsvertreter des Mutterkonzerns GM anwesend sein. Wie lange der Ausstand noch dauern soll, war zunächst offen.

Der Autohersteller General Motors will in Europa mindestens 12.000 Stellen streichen, nach Gewerkschaftsinformationen etwa 10.000 davon in Deutschland. Die Hauptlast trägt somit Opel. In Rüsselsheim und Bochum sollen voraussichtlich jeweils 4000 Stellen wegfallen. Am kommenden Dienstag soll es an allen Standorten von General Motors in Europa zu Protestkundgebungen kommen.


Für das Web ediert von Marcus Gatzke