netzeitung.deSpringer-Manager hält Zeitungen wegen des Internets für «verzichtbar»

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Wegen der stärkeren Internetnutzung wird der Zeitungsabsatz nach Ansicht von «Welt»-Geschäftsführer Probst weiter sinken. Auf die Entwicklung will er mit Tabloids für den «mobilen Leser» reagieren.

Einem sich «dramatisch verändernden» Zeitungsmarkt in Deutschland will sich der Axel-Springer-Verlag
mit Angeboten im so genannten Tabloid-Format stellen. Der Verlagsgeschäftsführer der zum Konzern gehörenden Zeitungen «Die Welt», «Welt kompakt» und «Berliner Morgenpost», Josef Probst, sagte am Dienstagabend in Frankfurt am Main, der Zeitungsmarkt hierzulande schrumpfe von Jahr zu Jahr weiter. Denn durch das Internet sei die Zeitung «zu einem verzichtbaren Produkt» geworden, wurde Probst am Mittwoch von der Nachrichtenagentur epd zitiert.

Springer habe bereits mit der «Welt kompakt» im kleinen Tabloid-Format auf das veränderte Verhalten der Mediennutzer im Internetzeitalter reagiert, sagte Probst weiter. Das nachrichtlich orientierte Blatt zum günstigen Preis bringe den «mobilen Leser» binnen einer Viertelstunde auf den neuesten Stand. Zeitungsmacher müssten sich angesichts sinkender Auflagenzahlen fragen, ob sie alles richtig machten. Denn im Zeitalter der Mobilität bleibe den Lesern immer weniger Zeit für eine gründliche Lektüre, argumentierte er.

Springer auf Studenten aus
Nach Testläufen in Berlin und Frankfurt bietet der Springer Verlag «Welt kompakt» seit vergangener Woche auch im Ruhrgebiet an. Auch hier wird das Blatt zunächst kostenlos verteilt. Probst betonte, dass der Verlag das Blatt wieder vom Markt genommen hätte, wenn das neue Tabloid-Angebot nicht so erfolgreich gewesen wäre. Die Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass «Welt kompakt» Kunden erreiche, die bislang kaum oder gar nicht Zeitung gelesen hätten.

Laut «Welt kompakt»-Chefredakteur Jan Eric Peters hofft Springer, dass «Welt» und «Welt kompakt» zusammen die Auflage um ein Zehntel steigern können. Analysen hätten gezeigt, dass die Hälfte der Käufer zwischen 18 und 25 Jahre alt sind. Springer hoffe auch darauf, mit dem Tabloid eine Kundengruppe zu erreichen, für die der Verlag bislang problematisch gewesen sei, nämlich Studenten.

Keine Gefahr durch andere Tabloids
«Welt kompakt» wird laut Peters täglich von «einem guten Dutzend Redakteure» hergestellt. Er betonte, dass dahinter jedoch die rund 380 Mitarbeiter der gemeinsamen Redaktion von «Welt» und «Berliner Morgenpost» stünden. Sie sei «groß genug, das auch noch zu machen», und trotzdem ein «hochwertiges Produkt» zu erstellen, sagte Peters weiter.

Gefahr durch andere neue Angebote im Tabloid-Format sieht Peters nicht. Der Holtzbrinck-Verlag hatte Mitte September in Frankfurt am Main mit «News» eine eigene kleinformatige Zeitung gestartet, deren Inhalt unter anderem auf dem «Handelsblatt» beruht. Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg hatte in dieser Woche angekündigt, auch er arbeite an einem Tabloid. (nz)