Ausgaben der Werbekunden für Anzeigen sind kaum gestiegen
08.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Die Hoffnungen der Werbebranche auf höhere Einnahmen könnten sich als verfrüht erweisen: Die Bruttozahlen steigen zwar, letztendlich bleibt den Agenturen aber weniger in der Kasse, meint Serviceplan-Chef Heller.
Nach Ansicht der Werbeagentur Serviceplan ist auf dem deutschen Werbemarkt noch keine Wende in Sicht. Das sagte Florian Heller, Hauptgeschäftsführer der bundesweit größten konzernunabhängigen Agenturgruppe, der «Süddeutschen Zeitung» vom Mittwoch. Heller warnte davor, die zuletzt gestiegenen Bruttoausgaben der Unternehmen für Werbung als Indiz für einen beginnenden Aufschwung zu werten. «Aufgrund der hohen Rabatte weichen die tatsächlich gezahlten Netto-Preise immer stärker von den offiziellen Tarifen ab», sagte der Agenturchef.
Das Marktforschungsinstitut Nielsen Media Research hatte für 2003 einen Anstieg der Bruttoaufwendungen für klassische Werbung von 3,5 Prozent gemessen. Im ersten Halbjahr 2004 betrug das Plus nach Angaben des Instituts sogar 6,5 Prozent.
Nicht mehr Geld ausgegeben
Heller schätzte dagegen in der «Süddeutschen Zeitung», dass die Werbetreibenden seit Anfang 2003 nicht mehr Geld ausgegeben hätten als zuvor. Grund seien die in den Krisenjahren stark ausgeweiteten Rabatte. Daran werde sich wohl auch im kommenden Jahr nichts ändern. «Die Mehrzahl der Werbetreibenden erhöht ihren Etat erst dann wieder, wenn der Konsum anzieht», sagte er. Danach sehe es aber vorläufig nicht aus.
Vor allem die Pharmaindustrie und der Einzelhandel hätten ihre Budgets zuletzt deutlich verringert. Größere Investitionen hätten dagegen die Anbieter von Telekommunikation sowie die Lebensversicherer getätigt. Am stärksten hätten allerdings die Discounter ihre Werbeausgaben erhöht. Das sei vor allem ein Ausdruck des gestiegenen Wettbewerbs der Billig-Anbieter untereinander.
Vom Trend abgekoppeltServiceplan selbst habe sich bis zum 30. Juni laufenden Geschäftsjahr 2003/04 vom negativen Branchentrend abgekoppelt, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Die Münchner Gruppe habe ihre betreuten Werbeausgaben von 360 im Vorjahr auf 371 Millionen Euro gesteigert. Die Einnahmen aus Honoraren und Provisionen, also der Bruttoumsatz, habe sich von 54 auf 55,7 Millionen Euro erhöht. Zahlen zur Ertragslage nannte Heller dem Blatt nicht. (nz)