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Miramax soll billigere Filme produzieren

09. Jun 2004 15:54, ergänzt 16:05
Miramax-Film 'Kill Bill'
Angeblich will sich der Disney-Konzern von Miramax trennen, weil das Filmstudio keinen Gewinn mache. Die Weinstein-Brüder, Vorbesitzer von Miramax, könnten ihre Firma zurückkaufen - wenn sie zwei Milliarden Dollar auftreiben.

Der Walt-Disney-Konzern will seine Studiotochter Miramax offenbar dazu zwingen, ihr Budget für Spielfilm-Produktionen zu reduzieren. Das zumindest sickerte aus Verhandlungen durch, die das Unternehmen derzeit mit den Miramax-Gründern Bob und Harvey Weinstein führt. Sie hatten ihr Studio vor elf Jahren an den Unterhaltungskonzern verkauft, arbeiten aber weiter in der Geschäftsführung. Die zugrunde liegenden Verträge gelten bis 2009. Darin wurde allerdings vereinbart, dass 2005 nachverhandelt werden kann.

Möglicherweise erhofft sich Disney-Chef Michael Eisner dabei, bessere Konditionen für das Unternehmen herausschlagen zu können. Jedenfalls hatte er bereits zu Beginn dieser Woche öffentlich kritisiert, Miramax habe in drei der zurückliegenden fünf Jahre keine Gewinne abgeworfen. Ein Miramax-Sprecher konterte dies mit der Bemerkung, die Weinstein-Brüder hätten für alle fünf Jahre eine Bonuszahlung von Disney erhalten. Die gebe es jedoch nur, wenn Miramax profitabel sei, so der Sprecher.

Streitobjekt Michael Moore

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In der Tat sind einige der jüngsten Miramax-Projekte teurer geworden als erwartet. Dabei gründet sich der gute Ruf des Studios vor allem auf relativ preiswerte Independent-Produktionen. Der Streit zwischen Konzern-Mutter und –Tochter hatte sich bereits am letzten Streifen von Quentin Tarantino, dem zweiteiligen «Kill Bill», entzündet, der dem Konzern nicht nur zu brutal, sondern offenbar auch zu teuer war.

Und auch der Streit um den Dokumentarfilm «Fahrenheit 9/11» von Michael Moore, der die Regierung von US-Präsident George W. Bush scharf angreift, belastete das Verhältnis: Der mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnete Film war von Miramax mitfinanziert worden, Disney weigerte sich aber, den Film zu vertreiben.

Miramax-Rückkauf möglich

Hintergrund:
Moore selbst ließ verlauten, Disney wolle dadurch offenbar die Republikanische Partei nicht verärgern. Schließlich stünden Steuervorteile für Disneyland in Florida auf dem Spiel. Dort regiert Bushs Bruder Jeb als Gouverneur. Die Weinsteins kauften dem Konzern die Vertriebsrechte schließlich für geschätzte sechs Millionen Dollar ab und wollen ihn nun auf eigenen Faust in die US-Kinos bringen.

Ein Rückkauf wäre wohl auch eine Lösung für den andauernden Streit zwischen Disney und Miramax. Ein Sprecher des Unternehmens hatte bereits betont, die Brüder «wären glücklich über einen Rückkauf, falls Disney einen Preis nennt». Der dürfte nach Analysten-Schätzungen bei gut zwei Milliarden Dollar liegen.

Angekratztes Disney-Image

Für Disney könnte sich das Geschäft allerdings als schlecht erweisen. Der Konzern profitiert unter anderem von der Verwertung des Miramax-Filmarchivs auf DVD. Dort finden sich Kassenschlager wie «Der englische Patient» oder «Shakespeare in Love».

Schlimmer noch könnte sich allerdings der Abschied der Weinsteins von Disney auf das ohnehin schon angekratzte Image des Konzerns niederschlagen. Analysten hatten angesichts des Endes der erfolgreichen Partnerschaft mit dem Animationsstudio Pixar bereits die Frage gestellt, ob das Unternehmen noch in der Lage sei, kreative Köpfe auf seiner Gehaltsliste zu halten. Pixar-Chef Steve Jobs hatte vor allem bemängelt, dass Disney offenbar nur noch darauf aus sei, Fortsetzungen von erfolgreichen Titeln wie «Findet Nemo» herauszubringen.

Putsch- und Übernahmeversuch gescheitert

Damit dürfte er auch unter den Disney-Anteilseignern Unterstützung finden: Der Neffe von Firmengründer Walt, Roy Disney, hatte bei seinem Abschied aus dem Verwaltungsrat des Konzerns seinem Intimfeind Eisner vorgeworfen, unter ihm habe sich das Unternehmen zu einem entwickelt, dass nur auf den schnellen Dollar ziele.

Mit Roy Disney war das letzte Familienmitglied aus der Unternehmensführung ausgeschieden. Der Versuch Disneys, Eisner von der Hauptversammlung abberufen zu lassen, scheiterte allerdings ebenso wie der Versuch des Kabelanbieters Comcast, den gesamten Disney-Konzern zu schlucken. Immerhin konnte Roy Disney erreichen, dass der Vorstandschef den Vorsitz im Konzern-Verwaltungsrat abgeben musste.

 
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