netzeitung.deSPD-Holding erwirbt «FR» fast komplett

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90 Prozent des Verlags der «Frankfurter Rundschau» gehören künftig der SPD-Medienholding DDVG. Die Beteiligten sehen die Voraussetzung für den Erhalt der Zeitung gegeben - und suchen weitere Partner.

Die SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) erwirbt 90 Prozent der Anteile am Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main, in dem die «Frankfurter Rundschau» (FR) erscheint. Wie das Unternehmen am Dienstag in Hamburg mitteilte, wurden die entsprechenden Verträge mit dem bisherigen Alleineigentümer, der Karl-Gerold-Stiftung, an vergangenen Freitag und am Montag unterzeichnet. Angaben zum Preis wurden nicht gemacht. Das Geschäft stehe unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch das Bundeskartellamt.

Im vereinbarten Gesellschaftervertrag sei die Absicht «des Stifters Karl Gerold, mit der 'Frankfurter Rundschau' eine überregionale, unabhängige, politisch engagierte, links-liberale Zeitung herauszugeben», verankert worden, teilte die DDVG weiter mit. Dazu seien der vom ersten Herausgeber des Blattes gegründeten Stiftung «besondere, nicht abdingbare Rechte zur Wahrung dieses Anliegens» eingeräumt worden. Zudem seien die beiden Partner davon überzeugt, «mit der neuen Zusammenarbeit eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft der traditionsreichen 'Frankfurter Rundschau' geschaffen zu haben».

Offen für weitere Partner
Die DDVG betonte, dass sie den Erwerb als «Beitrag zur Sicherung der Pressevielfalt in Deutschland» verstehe. Der Schritt sei erst unternommen worden, «nachdem Gespräche des Verlages mit anderen Zeitungsverlagen» ohne Ergebnis verlaufen und dadurch «die 'Frankfurter Rundschau' unmittelbar bedroht war». Zudem habe die DDVG «nicht die Absicht, dauerhaft Mehrheitsgesellschafterin zu bleiben». Das Unternehmen sei «offen für die Beteiligung anderer Verlagshäuser».

Der neue Mehrheitseigner will sich nach eigenen Angaben «zunächst auf die Sanierungsaufgabe konzentrieren». Die DDVG teilte weiter mit, dass ein Vertragsabschluss nur dadurch ermöglicht worden sei, «weil die Belegschaft und die Kredit- und Leasinggeber zu substantiellen Sanierungsbeiträgen bereit waren». «Insbesondere» seien Betriebsrat und Gewerkschaften bereit gewesen, der Personalbestand so weit zu reduzieren, «dass er rund 750 Vollzeit-Mitarbeitern entspricht». Zuvor hatte der Verlag rund 1000 Vollzeit-Mitarbeiter gehabt.

Weiterverkauf nach Sanierung
Ein DDVG-Sprecher sagte der Netzeitung, entgegen Medienspekulationen habe das Unternehmen von Anfang an geplant, sich in diesem Umfang am Druck- und Verlagshaus zu beteiligen und nicht nur eine einfache Mehrheit zu übernehmen. Zudem werde nach Abschluss der Sanierung die «Suche nach einem neuen Mehrheitseigner beginnen». Dennoch verstehe die DDVG das Geschäft nicht als «kurzfristiges Engagement»: «Wir sind keine Private-Equity-Gesellschaft», die bereits nach zwei Jahren mit möglichst hohem Gewinn wieder aussteige, betonte er. (nz)