21.10.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Quelle-Versandzentrum in Leipzig
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auf einen Schlag sind Tausende Beschäftigte arbeitslos - da richtet die Bundesagentur für Arbeit eine eigene Außenstelle direkt bei Quelle ein. Derweil nehmen die Vorwürfe gegen Insolvenzverwalter Görg zu.
Nach dem Aus für das Versandhaus Quelle kommt auf die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Ansturm von Arbeitslosen zu, den die Behörde mit einer beispiellosen Kraftanstrengung bewältigen will. Bei der Zentrale in Nürnberg soll eine provisorische Arbeitsagentur für die Betroffenen eingerichtet werden, wie der Chef der bayerischen Regionaldirektion, Rainer Bomba, am Mittwoch mitteilte. «Sie sollen nicht in langen Schlangen beim Arbeitsamt stehen müssen.»
Die BA rechnet laut Bomba damit, dass sich auf einen Schlag etwa 4000 Quelle- Beschäftigte zum 1. November arbeitslos melden müssen. Die genaue Zahl sei weiterhin nicht klar. Die Gewerkschaft Verdi rechnet mit deutlich mehr Menschen, die sich arbeitslos melden müssen. Voraussichtlich seien bundesweit etwa 7000 der 10.500 Mitarbeiter von Primondo der Versandhaus-Sparte von Arcandor, zu der Quelle gehört betroffen.
Bomba sagte, die Behörde habe einen Notfallplan aufgestellt und stelle bis zu 100 Mitarbeiter nur für Quelle ab. Der BA-Vertreter versuchte zugleich, den Betroffenen Mut zu machen, und äußerte die Hoffnung, dass ein Teil relativ schnell in neue Jobs vermittelt werden könne. In der Region gebe es 10.000 offene Stellen. Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) kündigte Strukturprogramme für die Region Nürnberg/Fürth an.
Wie der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sagte, richtet das städtische Klinikum bei Quelle eine psychologische Krisenambulanz ein. «Ehepaare arbeiten gemeinsam bei Quelle, oft auch die erwachsenen Kinder», schilderte Maly die Lage. «Viele Familien sind existenziell bedroht.» Auch mit örtlichen Wohnungsbauunternehmen sei man im Gespräch, um Härten abzufedern.
Insolvenzverwalter in der KritikDerweil setzte sich die Debatte darüber fort, wer für die Quelle-Pleite letztlich schuld ist. Die Gewerkschaft Verdi machte die Bundesregierung für das Aus von Quelle mitverantwortlich. Auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Ernst Sindel, kritisierte das «elende Gezerre» um die Finanzierung der Quelle-Rettung. «Die Unterstützung aus Berlin war mehr als mangelhaft», sagte er.
Diese Kritik wies die Regierung von sich. «Es ist bedauerlich, dass sich das Ergebnis nicht mehr abwenden ließ», sagte der Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums, Steffen Moritz. Rückwirkend müsse man aber sagen, dass die Regierung dem Unternehmen im Rahmen des Möglichen geholfen habe.
Schwere Vorwürfe trafen auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Von der Ansage, Quelle abzuwickeln, sei man völlig überrumpelt worden, kritisierte Sindel. Noch kurz zuvor habe der Insolvenzverwalter den Eindruck erweckt, es gehe nur noch darum, welcher der Interessenten den Zuschlag erhalten werde.
Kampf um Erhalt von StandortenAuch Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) sieht offene Fragen: Das vorgestellte Konzept sollte bis März 2010 tragen. Daraufhin hatte Quelle von Bund, Bayern und Sachsen einen Massekredit von 50 Millionen Euro erhalten. «Dass dieses Konzept nicht einmal einen Monat getragen hat, das wirft Fragen auf.» Die Verhandlungen mit Investoren seien nicht transparent gewesen. Haderthauer verlangte lückenlose Aufklärung.
Der Quelle-Betriebsrat hofft derweil auf den Erhalt einzelner Quelle-Standorte, wie etwa das Call-Center in Magdeburg. Auch sei das hochmoderne Quelle-Versandzentrum in Leipzig mit 800 Mitarbeitern für Investoren interessant, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Horst Rieger dem Sender MDR Info. Er erwarte bis Jahresende Entscheidungen über die weitere Nutzung der Standorte.
Die Bundesregierung rechnet nun mit einer Erstattung ihres Anteils an dem 50-Millionen-Euro-Massekredit für Quelle, den sie gemeinsam mit Bayern und Sachsen initiiert hatte. Auch Bayerns Finanzminister Fahrenschon sagte, der Betrag sei ausreichend gesichert, somit werde dem Steuerzahler kein Schaden entstehen. (nz/dpa/AP)
Artikel am 22.10. korrigiert.