29.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die deutschen AKW-Betreiber frohlocken: Mit Schwarz-Gelb sehen sie ihre Chance gekommen, den ungeliebten Atomkonsens aufzuheben. RWE-Chef Großmann wirbt offen dafür, nicht nur den umstrittenen Meiler Biblis länger am Netz zu lassen.
Die deutschen Energiekonzerne spüren Rückenwind: Sie gehen davon aus, dass die neue schwarz-gelbe Regierung die Atomkraftwerke in Deutschland länger als geplant laufen lassen wird. Der Chef des Energiekonzerns Eon, Wulf Bernotat, äußerte sich im «Handelsblatt» überzeugt, dass die Kernenergie nach dem Regierungswechsel wieder eine Zukunft haben wird. «Dieses Thema kann jetzt sachlich und ideologiefrei angepackt werden», zitierte ihn die Zeitung am Dienstag.
Union und FDP hätten sich dafür ausgesprochen, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern, sagte Bernotat weiter. Für Gespräche über Gegenleistungen stehe er bereit. Zuvor hatte der baden-württembergische Energiekonzern EnBW bereits die Hoffnung geäußert, den Atomkonsens neu zu verhandeln.
«Biblis A und B sind sicher»Mit Union und FDP stellen künftig Parteien die Bundesregierung, die der Atomkraft positiv gegenüberstehen. Beide Parteien haben sich dafür ausgesprochen, den Atomausstieg, der unter Rot-Grün vereinbart worden war, rückgängig zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montagabend im ARD-Brennpunkt erneut bekräftigt, an der Atomenergie als Brückentechnologie festzuhalten.
Auch RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann hofft nun, dass die von RWE betriebenen Meiler länger am Netz bleiben dürfen. Konkret sprach er sich in im ARD-Morgenmagazin am Dienstag dafür aus, die Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis zu verlängern. «Ich glaube, man sollte technische Anlagen so lange nutzen, wie sie sicher sind», sagte er. Dies träfe für die Kraftwerksblöcke Biblis A und B zu.
Allerdings gibt es bei dem hessischen AKW Biblis erhebliche Sicherheitsbedenken. Eigentlich sollte der 33 Jahre alte Meiler Biblis B im Juli wieder in Betrieb genommen werden, doch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte vor Risiken beim Wiederanfahren gewarnt und eine Nachrüstung gefordert. Biblis B soll nun im Oktober ans Netz gehen. Deutschlands ältester Reaktor ist Biblis A, der 1974 in Betrieb genommen. Er soll im Januar wieder gestartet werden. Gabriel will, dass die beiden Blöcke in 2010 endgültig abgeschaltet werden.
Großmann will über alle AKWs redenGroßmann sagte weiter: «Ich glaube, dass man über die Laufzeitverlängerung aller Kraftwerke reden sollte.» Kernenergie sei Teil einer Energiepolitik und Teil eines Energiemixes. Er kündigte an, einen Teil der möglichen Gewinne auch in erneuerbare Energie investieren. Wenn dadurch Mehrwert generiert werde, werde dieser auch geteilt, sagte er.
Auf eine genaue Aufteilung von schätzungsweise sechs Milliarden Euro aus hochgerechneten Atomkraft-Gewinnen wollte sich der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns aber nicht festlegen: «Ich glaube, dieses Gespräch sollte ich mit der Bundeskanzlerin (Angela Merkel) führen.» Zunächst müsse sich erst einmal über den Energiemix der Zukunft unterhalten werden. «Immerhin ersparen uns die Kernkraftwerke im Jahr 150 Millionen Tonnen CO2 im Jahr», sagte Großmann. (nz)