Nach dem Chaos rollen Köpfe: 

netzeitung.deChefriege der Berliner S-Bahn komplett gefeuert

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Nach dem Chaos rollen Köpfe 

Lupe Chefriege der Berliner S-Bahn komplett gefeuert

Das Chaos bei Berlins S-Bahn ist dem Mutterkonzern, der Deutschen Bahn, zuviel geworden. Nach einer Zugentgleisung versäumte die S-Bahn die angeordneten Prüfungen der Räder. Jetzt griff die Bahn durch.

Die Deutsche Bahn hat genug von den Problemen bei ihrer Tochter S-Bahn Berlin GmbH: Die Bahn zieht personelle Konsequenzen - wegen Schlamperei bei der Wartung von Zügen müssen alle vier Geschäftsführer gehen. Das teilte der für den Personenverkehr zuständige Deutsche-Bahn-Vorstand Ulrich Homburg am Donnerstag vor Journalisten in Berlin mit.

Zuvor hatte sich der Aufsichtsrat der S-Bahn zu einer Sondersitzung getroffen. Nach Angaben Homburgs wurde bereits eine neue Geschäftsführung mit «erfahrenen Leuten» verpflichtet. Bei der Berliner S-Bahn kommt es seit Montag täglich zu einem Chaos, weil das Eisenbahn-Bundesamt über ein Drittel der Züge der Baureihe 481 aus dem Verkehr gezogen hat. Der Grund: Nach einem Unfall Anfang Mai wegen eines Radbruchs hatte die S-Bahn umfangreiche Sicherheitsprüfungen zugesagt, aber nicht durchgeführt.

Homburg kündigte eine umfassende Untersuchung an und versprach, die Bahn werde alles tun, um schnellstmöglich zu einem fahrplanmäßigen S-Bahn-Betrieb zurückzukehren. Die vier Manager mit dem Sprecher der Geschäftsführung, Tobias Heinemann, an der Spitze sollen vorerst weiter Angestellte der Deutschen Bahn bleiben, bis geklärt ist, was im einzelnen zu dem derzeitigen Zustand geführt habe. Homburg machte in diesem Zusammenhang die Unschuldsvermutung für die Manager geltend, verwies aber auch darauf, dass der derzeitige Zustand von der Geschäftsführung zu verantworten sei.

Baldige Rückkehr zur Normalität - aber wann?
Der Aufsichtsrat berief nun Peter Buchner als neuen Vorstandschef für die S-Bahn. Er war bisher Regionalbereichsleiter Nord der DB Regio AG. Ihm zur Seite stehen Christian Kayser (Finanzen), Mark Dreser (Produktion) und Christoph Wachendorf (Personal) - alle kommen aus dem Bahn-Konzern.

Wegen der Anordnung des Bundesamts müssen die Fahrgäste in der Hauptstadt derzeit Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr hinnehmen. Wann es eine Rückkehr zur fahrplanmäßigen Situation geben wird, dazu wollte sich Homburg nicht äußern. «Es wird ein Stufenprozess sein», sagte er. Zunächst sollten alle Linien wieder bedient werden, und anschließend dafür gesorgt, dass die Züge überall wieder in der gewohnten Länge fahren.

S-Bahn kämpft seit längerem mit Schwierigkeiten
Die ausgebliebene regelmäßige Überprüfung der Räder hatte der S-Bahn Vorwürfe aus Politik und Gewerkschaften eingebracht, sie vernachlässige aus wirtschaftlichen Gründen die Sicherheit. Genau dies nicht zu tun, hat der neue Bahnchef Rüdiger Grube seit Amtsantritt wiederholt zugesichert. Homburg wies die Vorwürfe zurück. Für die Gewerkschaft Transnet forderte Vorstandsmitglied Reiner Bieck ein Gesamtkonzept für die künftige Ausrichtung der Berliner S-Bahn und eine umfassende Aufklärung.

Die Aufsichtsbehörde war nach einem Unfall in Berlin-Kaulsdorf eingeschritten. Am 1. Mai war dort ein S-Bahn-Zug der modernsten Baureihe 481 nach dem Bruch einer Radscheibe entgleist. Die S-Bahn hatte sich deshalb gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt verpflichtet, die Räder dieser Zugreihe künftig jede Woche zu kontrollieren, dies aber in vielen Fällen nicht getan. Der Fahrzeugpark der S-Bahn besteht zum größten Teil aus Wagen dieser Baureihe.

Die S-Bahn hat ohnehin turbulente Monate hinter sich. Im Januar kam es im Winter zu einem Chaos, zudem fielen ganze Linien aus, Züge fuhren nur verkürzt. Auch diese Probleme sollen aufgeklärt werden, versicherte Homburg. (dpa/AP/nz)