Bund-Länder-Bürgschaft vereinbart:
Millionenkredit rettet Quelle
24.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wird nun doch gedruckt: Quelle-Katalog
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Quelle kann seinen Katalog drucken und die Geschäfte vorerst weiterführen. Ein Bürgschaftsausschuss bewilligte dem insolventen Versandwarenhaus 50 Millionen Euro. Die Banken sind nun bereit weitere und deutlich höhere Kredite zu gewähren.
Das insolvente Versandhaus Quelle kann mit Hilfe eines sogenannten Massekredits vorerst überleben. Ein Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern stimmte am Mittwoch Plänen zu, denen zufolge Quelle rund 50 Millionen Euro vom Bund sowie den Ländern Bayern und Sachsen erhält. Das berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf bayerische Regierungskreise. Allerdings hänge die Bewilligung des Kredits von einer Reihe von Bedingungen ab, hieß es. Dazu gehöre unter anderem die Zustimmung aus Brüssel.
Die Quelle-Beschäftigten hat die Entscheidung für den Bund-Länder-Kredit erleichtert aufgenommen. «Damit ist die wichtigste Hürde genommen», sagte Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AP. «Darauf haben die 8000 Beschäftigten lange gewartet.» Er gehe davon aus, dass jetzt der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werde.
50 Millionen plus 300 MillionenZum Staatskredit sollen der Bund 25 Millionen, Bayern 21 Millionen und Sachsen 4 Millionen beisteuern. Kommt Quelle den Staatskredit, wollen die Quelle-Hausbank Valovis, die Commerzbank und die BayernLB weitere 300 Millionen Euro Kredit geben. Der Kredit sei für die Banken so gut wie die Bürgschaft. Entscheidend sei, dass Quelle liquide bleibe und operativ weiterarbeiten könne, hieß es aus Verhandlungskreisen.
Eine Staatsbürgschaft ist dagegen vom Tisch. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern unter Beteiligung eines Vertreters aus Bayern eine Bürgschaft in einer früheren Sitzung abgelehnt. Der Grund sei, dass bei Quelle eine Überschuldung vorliege. Quelle hatte den 50-Millionen-Kredit beantragt, um unter anderem den Druck des Hauptkatalogs abzusichern.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) soll nun am Donnerstag im Quelle-Vertriebszentrum in Nürnberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Insolvenzverwalters, der Geschäftsleitung und Vertretern der Druckerei ein erstes Exemplar des neuen Quelle-Katalogs erhalten. Das teilte die bayerische Staatskanzlei am Mittwochabend in München mit.
Viele Neukunden aus dem InternetQuelle wolle nun unnütze, aber noch lange laufende Mietverträge vorzeitig kündigen und den einzig wirklich maroden Teil des Unternehmens, die Technikcenter, schnell verkleinern, so Quelle-Manager Marc Oliver Sommer. Gleichzeitig sänken die Marketingkosten, weil «wir schon eine Million Neukunden im Jahr im Internet gewinnen», sagte Sommer. (dpa/AP/nz)