«Liquiditätsprobleme werden existenzbedrohend»: 

netzeitung.deFirmen fürchten Aus wegen Kreditklemme

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Die Wirtschaft fordert Nachbesserungen am Sonderprogramm der KfW. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Wirtschaft fordert Nachbesserungen am Sonderprogramm der KfW.
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Die Wirtschaft fürchtet ab Sommer «existenzbedrohende» Finanzierungsprobleme, weil die Hürden bei Krediten zu hoch sind. In einem Brief an Kanzlerin Merkel schlagen die Verbände Alarm und zugleich Verbesserungen vor.

In der Wirtschaft wächst die Angst vor einer bedrohlichen Kreditverknappung in den kommenden Monaten. Die Liquiditätsprobleme könnten «spätestens im Sommer existenzbedrohend werden», zitierte das «Handelsblatt» am Mittwoch aus einer gemeinsamen Erklärung von Wirtschaftsverbänden an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zwar habe die Regierung mit dem Kredit- und Bürgschaftsprogramm eine Brücke gebaut, doch seien die Hürden «vielfach zu hoch», um die angespannte Finanzierungslage vieler Unternehmen zu lösen.

Das Schreiben stammt dem Bericht zufolge vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Darin heißt es, vor allem in drei Bereichen nähmen die Probleme zu: Die Banken stellten höhere Anforderungen an Sicherheiten oder bewerteten vorhandene Sicherheiten geringer als zuvor; der Zugang zu den Kreditprogrammen der Förderbanken sei langwierig, oder die Hürden seien zu hoch. Selbst Unternehmen mit guter Auftragslage gerieten in Finanzierungsschwierigkeiten, weil Warenkredit- und Exportversicherungen fehlten.

Banken legen Vorschläge vor
Anlässlich eines Spitzentreffens Ende April hatte Merkel die Wirtschaft um Lösungsvorschläge für die schwierige Liquiditätssituation einer wachsenden Zahl von Unternehmen gebeten. Nun schlägt die Wirtschaft laut «Handelsblatt» eine ganze Reihe von Maßnahmen vor. Neben einem Bürgschaftsprogramm für Kreditversicherungen fordern die Verbände Nachbesserungen am Sonderprogramm der staatlichen Förderbank KfW.

So sollten die Durchleitungszeiten verkürzt werden. «Unternehmen berichten teilweise von sehr langen Wartezeiten.» Der Informationsaustausch zwischen KfW und Hausbanken müsse «intensiver vonstatten gehen», zitierte das «Handelsblatt» weiter aus dem Schreiben. Aus Sicht der Wirtschaftsverbände ist zudem eine bessere Verzahnung der bereits länger bestehenden sowie der neuen Kredit- und Bürgschaftsprogramme notwendig. Bislang komme die Vielzahl der Programme einem «Finanzierungsdschungel» gleich.

KfW will Banken mehr Spielraum geben
Inzwischen warnt auch Merkel selbst öffentlich vor einem Kreditmangel. Der Rückzug vieler internationaler Banken aus Deutschland stelle für den Industriestandort ein «erhebliches Problem» dar, sagte die Kanzlerin auf einer Veranstaltung, wie das «Handelsblatt» berichtete. «Wir haben weniger Akteure», sagte Merkel demnach. Dem Vernehmen nach erwägt die staatliche KfW, jetzt auch Banken Exportkredite im Volumen von ein bis drei Milliarden Euro abzukaufen. Damit sollen Geldinstitute mehr Spielraum bekommen, um andere Kredite zu vergeben. Details müssten aber noch ausgearbeitet werden, so das «Handelsblatt».

Erst vorige Woche hatte das Ifo-Institut das Ergebnis einer eigenen Umfrage vorgelegt, wonach besonders große Industrieunternehmen über eine restriktivere Kreditvergabe der Banken klagen. Demnach hatten im Mai 54,2 Prozent der großen Firmen im verarbeitenden Gewerbe Probleme, an Darlehen zu kommen. Im April waren es 50,9 Prozent. Von den insgesamt 4000 befragten Firmen klagten 42,9 Prozent über eine Kreditklemme. Im April waren es 41,6 Prozent. Die Kredithürde liegt laut den Ifo-Forschern so hoch wie noch nie seit der Eskalation der Finanzkrise im vergangenen Herbst. (nz)