Hörbuch-Plattform vor Veränderungen: 

netzeitung.deAudible.de wächst mit Amazon zusammen

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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Joint-Venture mit drei großen Verlagsgruppen wurde aufgelöst, nun hat der Online-Händler Amazon beim Hörbuch-Portal Audible das Sagen. Deswegen stehen zahlreiche Neuerungen an.

Das Hörbuch-Portal Audible wächst mit Amazon zusammen: Beim deutschen Ableger Audible.de haben die Verlagsgruppen Holtzbrinck, Lübbe und Random House jetzt ihre Anteile an Audible in den USA abgegeben.

Das bisherige Joint Venture habe Wesentliches geleistet, um die Verbreitung des digitalen Audiobuchs in Deutschland zu fördern, sagte Audible-Vorstandschef Don Katz. Deutschland sei 2004 ein idealer Start in Europa gewesen. «Deutschland ist Weltmeister im Lesen.» Aber vielen Menschen fehle immer mehr die Zeit dafür, weil sie unter anderem als Pendler lange im Verkehr feststeckten. «Wir waren immer überzeugt, dass unser Angebot perfekt für Leute ist, die mehr Zeit zum Lesen haben wollen.»

Audible bietet seine mittlerweile mehr als 30.000 Titel im Abonnement an: Für 9,95 Euro im Monat kann man ein Hörbuch nach Wahl herunterladen. Jedes weitere kostet ebenfalls 9,95 Euro. Beim Anhören der Bücher werden rund 500 verschiedene Geräte unterstützt, vom iPod bis zum Handy.

Bereit, einen «fairen Preis» zu zahlen
Anders als beim Musikgeschäft hat der Trend zum frei kopierbaren MP3-Format das digitale Audiobuch nicht erfasst. Vorstandschef Katz führt dies darauf zurück, dass die Verbraucher bei Büchern bereit seien, einen «fairen Preis» zu zahlen. Außerdem biete das mit DRM (Digital Rights Management) geschützte Audible-Hörbuchformat eine Reihe von Vorteilen, die für das Audiobuch-Hören besonders wichtig seien - etwa dass man ein Buch an genau der Stelle weiterhören könne, an der man beim letzten Mal aufgehört habe.

Künftig sollen nach Angaben von Katz Techniken von Amazon verstärkt für Audible genutzt werden, die Website als zentrales Download-Portal soll entsprechend verändert werden. «Wir werden Zugang zu ihrer technologischen Plattform und zu ihren Kunden haben», sagte Katz. Amazon werde auch der Bekanntschaft der Audible-Marke zugute kommen.

Partnerschaft mit Apple
Trotz der Zugehörigkeit zu Amazon will Audible aber an der Partnerschaft mit Apple festhalten. So kann man Audible-Hörbuchtitel auch einzeln bei iTunes beziehen. Wie hoch der Anteil dieses Vertriebskanals ist, sagte Katz nicht. Im März vergangenen Jahres erreichte der Umsatzanteil des Abonnement-Geschäfts nach seinen Angaben 70 Prozent.

Dieses Geschäftsmodell will Audible auch forciert weiterbetreiben. «Der Audiobuch-Markt hat noch so viel Wachstum vor sich», sagt der Geschäftsführer von Audible.de, Arik Meyer. Bei einem Anteil von etwa fünf Prozent am gesamten Buchmarkt gebe es noch viel Luft nach oben. «Viele haben noch nie versucht, ein Audiobuch zu hören.» Daher komme es darauf an, zunächst das Bewusstsein für diese Art der Buchrezeption zu verbreitern.

Immer mehr Buchhörer wollen die ungekürzte Fassung
Audible.de soll nach Angaben Meyers auch nach dem Ende des Gemeinschaftsunternehmens als eigenständige Einheit geführt werden. Kommt das Audiobuch auch auf E-Book-Reader wie den Kindle von Amazon? Vorstandschef Katz sieht da durchaus Möglichkeiten, beides miteinander zu verzahnen: «Wir sehen für die Zukunft viele interessante Verbindungen von Lesen und Hören.» Dabei soll es nicht nur um Belletristik, Krimis und Thriller gehen, die beim Download-Hörbuch bislang besonders beliebt sind. Auch Sachbücher und Audiomagazine sowie der gesamte Lernbereich böten viel Potenzial, sagt Meyer.

Auch hat er als Trend ausgemacht, dass immer mehr Buchhörer abgeneigt sind, sich mit der gekürzten Fassung eines Werks zufriedenzugeben. «Unsere Kunden wollen eine ungekürzte Ausgabe.» (Peter Zschunke/AP)