Entscheidung im EU-Parlament: 

netzeitung.deMobilfunker stänkern gegen billige Auslands-SMS

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Teuer Spaß: SMS (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Teuer Spaß: SMS
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Geht es nach der EU, wäre eine SMS aus dem Ausland günstiger als eine Kurznachricht im Inland. Das darf natürlich nicht sein, sagen Mobilfunkbetreiber, wollen die Inlandspreise aber nicht senken.

Am Mittwoch will das EU-Parlament darüber abstimmen, die Gebühren für Auslands-SMS bei elf Cent zuzüglich Mehrwertsteuer zu deckeln. Für deutsche Nutzer würde das einen Bruttopreis von rund 13 Cent bedeuten. Eine deutliche Ersparnis, kosten doch SMS aus dem Urlaubsland bis zu 80 Cent pro Stück – da wäre eine Postkarte billiger. Von der Maßnahme Brüssels sollen 37 Millionen Touristen und 110 Millionen Geschäftsreisende in der EU profitieren.

Den Mobilfunkanbietern wäre dieser Schritt natürlich gar nicht Recht. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) prüft derzeit eine Klage mehrerer Betreiber. Der Interessenverband Bitkom wirft der EU «Preisdiktat» vor – mit einer eigenartigen Begründung: Die Obergrenze sei weniger als der typische Preis im Inland von 19 Cent, sagte Bitkom-Chef August-Wilhelm Scheer. Die Nutzung eines Fremdnetzes im Ausland könne aber nicht billiger sein als der gleiche Service im Inland.
Riesengeschäft mit 180 Zeichen
«Offenkundig will die EU testen, wie weit sie die Unternehmen mit Preisdiktaten belasten kann», kritisierte der Bitkom-Präsident. «Damit werden den Unternehmen Mittel entzogen, die anschließend für Investitionen in Netzausbau und -qualität fehlen.»

Die vor allem bei jungen Leuten beliebten Nachrichten sind ein Riesengeschäft für die Betreiber: Die EU-Bürger haben allein im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden SMS-Textnachrichten im Wert von 800 Millionen Euro verschickt. Eine SMS kostet den Mobilfunkanbieter aber nur etwa einen Cent – einen Bruchteil des Endpreises.

Leben vom Roaming
Um die Mobiltelefonate aus dem Urlaubsland – das so genannte Roaming – gibt es seit Jahren Streit zwischen der Kommission und den Telekommunikationsanbietern. Besonders die Anbieter in Urlaubsländern wie Österreich, Spanien oder Italien profitieren von den hohen Tarifen.

Branchenkenner sagen, dass einige Unternehmen bis zu 20 Prozent ihrer Umsätze mit dem Roaming-Geschäft machen. Nach Angaben der Kommission macht der Telekom-Sektor jährlich in der Europäischen Union einen Gesamtumsatz von 300 Milliarden Euro, was zwei Prozent der EU-Wirtschaftsleistung entspricht. (nz/dpa)