Shareholder-Value regiert:
Ölmultis vernachlässigen Suche nach Quellen
06.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Dieses Vorgehen stößt bei Experten auf Kritik. «Die Konzerne verdanken den hohen Ölpreisen ungeheure Sondereinnahmen. Und statt diese Profite in den Energiesektor zu investieren, wurden sie zur Stützung des Aktienkurses verwandt», kritisiert Robert Mabro vom Oxford Institute for Energy Studies im «Handelsblatt».
Die Konzerne verteidigen dagegen ihre Aktienkäufe. Die Zeitung zitierte einen Sprecher von ExxonMobil, wonach der Konzern zuerst die Kosten decke, Steuern zahle und «in alle Projekte» investiere, «die unseren Kriterien entsprechen. Erst dann schauen wir nach, wie viel Geld übrig ist, und reichen einen angemessenen Teil an unsere Aktionäre weiter.»
Doch auch der Preisverfall wird als Grund für geringe Investitionen angeführt: Allein in den vergangenen drei Monaten wurde weltweit mehr als ein Dutzend Großinvestitionen gestrichen oder verschoben. Die Projekte seien nun nicht mehr hinreichend profitabel, hieß es. Gerade die Förderung von Öl in der Tiefsee ist mit kostspieligen Bohrungen verbunden, und auch die Gewinnung des Rohstoffs aus Ölsanden ist teuer.
Experten wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnen daher, dass eine gedrosselte Exploration neuer Quellen schon bald zu explodierenden Ölpreisen führt. Kemfert fürchtet, es könne zu «Knappheiten in kürzester Zeit» kommen, wenn die Wirtschaftskrise überwunden ist und die Nachfrage in Schwellenländern wie Indien oder China wieder kräftig zunimmt. (nz)

