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Shareholder-Value regiert: 

Ölmultis vernachlässigen Suche nach Quellen

06. Jan 2009 12:06
Erforschung neuer Vorkommen hat nicht oberste Priorität
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Mit kurzsichtigem Handeln legen die Ölkonzerne bereits die Grundlage für neue Preisrekorde. Sie stecken einer Studie zufolge wesentlich mehr in den Rückkauf eigener Aktien als in die Erschließung neuer Quellen.

Die großen Ölkonzerne stecken ihr Geld eher in Aktienrückkäufe denn in den Ausbau der Förderung und die Erschließung neuer Vorkommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Baker Institute for Public Policy, über die das «Handelsblatt» berichtet. Demnach lag bei den fünf größten nichtstaatlichen Ölkonzernen der Welt der Anteil der Aktienrückkäufe an den Gesamtkosten 2007 bei 34 Prozent, im Jahr 1993 war es erst ein Prozent.

Zugleich seien die Ausgaben für die Erforschung neuer Ölquellen von 14 auf sechs Prozent der Gesamtkosten gefallen. Die fünf weltgrößten Ölkonzerne ExxonMobil, BP, Royal Dutch Shell, Chevron und ConocoPhillips hätten zwischen 2005 und 2008 eigene Aktien für mehr als 200 Milliarden Dollar erworben, im selben Zeitraum aber weniger als 40 Milliarden Dollar für die Exploration neuer Quellen ausgegeben, schreibt die Wirtschaftszeitung.

Dieses Vorgehen stößt bei Experten auf Kritik. «Die Konzerne verdanken den hohen Ölpreisen ungeheure Sondereinnahmen. Und statt diese Profite in den Energiesektor zu investieren, wurden sie zur Stützung des Aktienkurses verwandt», kritisiert Robert Mabro vom Oxford Institute for Energy Studies im «Handelsblatt».

Die Konzerne verteidigen dagegen ihre Aktienkäufe. Die Zeitung zitierte einen Sprecher von ExxonMobil, wonach der Konzern zuerst die Kosten decke, Steuern zahle und «in alle Projekte» investiere, «die unseren Kriterien entsprechen. Erst dann schauen wir nach, wie viel Geld übrig ist, und reichen einen angemessenen Teil an unsere Aktionäre weiter.»

Öl nur vorübergehend billig

Ein Shell-Sprecher sagte, es sei falsch, ausgerechnet bei einem Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel Förderrechte mit den Ölländern zu vereinbaren. Sonst würde man sich langfristig an unzumutbare Konditionen binden. Allerdings ist der Ölpreis seit seinem Rekordhoch im Sommer 2008 kräftig gefallen – ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI kostete am Dienstag rund 50 Dollar.

Doch auch der Preisverfall wird als Grund für geringe Investitionen angeführt: Allein in den vergangenen drei Monaten wurde weltweit mehr als ein Dutzend Großinvestitionen gestrichen oder verschoben. Die Projekte seien nun nicht mehr hinreichend profitabel, hieß es. Gerade die Förderung von Öl in der Tiefsee ist mit kostspieligen Bohrungen verbunden, und auch die Gewinnung des Rohstoffs aus Ölsanden ist teuer.

Experten wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnen daher, dass eine gedrosselte Exploration neuer Quellen schon bald zu explodierenden Ölpreisen führt. Kemfert fürchtet, es könne zu «Knappheiten in kürzester Zeit» kommen, wenn die Wirtschaftskrise überwunden ist und die Nachfrage in Schwellenländern wie Indien oder China wieder kräftig zunimmt. (nz)

 
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