Benzin bald wieder teurer: 

netzeitung.deDer kurze Traum vom günstigen Sprit

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So günstig war Diesel schon lange nicht mehr. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe So günstig war Diesel schon lange nicht mehr.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Ach, könnte Sprit doch immer so billig sein», seufzt so mancher Autofahrer in diesen Tagen an der Zapfsäule. Doch der Traum wird nicht in Erfüllung gehen: Experten sehen die Talsohle erreicht.

Autofahrer haben an der Tankstelle derzeit Freude: So günstig war Sprit schon lange nicht mehr zu haben. Diesel kostete zu Wochenbeginn im Schnitt gerade noch einen Euro je Liter, der Preis für einen Liter Superbenzin lag bei 1,07 Euro. Das sind je rund drei Cent unter dem Preis von vor Weihnachten – und deutlich weniger als noch im Sommer.

Nur: Die Zeit niedriger Treibstoffpreise könnte bald zu Ende sein. Im nächsten Jahr dürften die Preise wieder steigen. «Ich rechne damit, dass Superkraftstoff im Mai oder Juni 2009 etwa 1,20 Euro kosten wird», sagte der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, der «Frankfurter Rundschau». Der Grund: Der Preis für Rohöl dürfte wieder steigen – Weinberg erwartet pro Fass (159 Liter) am Ende kommenden Jahres einen Preis von 60 bis 70 Dollar. Zum Vergleich: Am Dienstag kostete US-Rohöl der Sorte WTI 39,40 Dollar je Fass. Allerdings wäre Weinbergs Prognose noch weit vom Rekordhoch entfernt, den Rohöl in diesem Juli mit 147 Dollar erreichte.

Am Montag war der Preis fürs Öl kräftig gestiegen: WTI-Öl verteuerte sich angesichts der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen um 2,99 Dollar je Fass auf 40,70 Dollar. Der Konflikt drohe außer Kontrolle zu geraten und die Öllieferungen aus dem Mittleren Osten zu gefährden, erklärten Experten den Preissprung. Allerdings überzeichne der traditionell dünne Handel zwischen den Jahren prinzipiell Kursbewegungen.

Opec dürfte Menge weiter drosseln
Doch auch abseits aktueller geopolitischer Entwicklungen rechnet Commerzbank-Experte Weinberg mit steigenden Ölpreisen: Er rechnet damit, dass angesichts der anhaltenden globalen Wirtschaftskrise die Förderländer ihre Mengen weiter senken. Erst Mitte Dezember hatte die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen, ab Januar die tägliche Produktion um 2,2 Milliarden Barrel zu senken.

Fachleute erwarten, dass das Ölkartell weiter kürzen wird – um das Angebot der fallenden Nachfrage anzupassen. Weinberg geht davon aus, dass die Ölförderländer die aktuellen Preise nicht auf Dauer halten können, denn das werde «riesige Löcher in die Leistungsbilanzen dieser Länder» reißen. Deshalb werde die Förderung in naher Zukunft weiter heruntergefahren, sagte er der «FR».

Kein Geld für teure Förderprojekte
Die derzeit niedrigen Preise könnten sich auf lange Sicht zudem als Bumerang erweisen. Weil mit Öl momentan nicht viel Geld zu verdienen ist, haben die Konzerne Projekte zur Erschließung neuer Vorkommen derzeit auf Eis gelegt. Dabei geht es vor allem um teure Vorhaben, etwa der kostspielige Gewinn des Rohstoffs aus Ölsanden oder Bohrungen in der Tiefsee.

Wenn die Wirtschaftskrise überwunden ist, lassen sich diese Projekte aber nicht zügig zu Ende führen: Bis tatsächlich kommerziell Öl aus neu erschlossenen Lagerstätten gefördert wird, vergehen Jahre. Das Angebot könnte also nicht kurzfristig erhöht werden, warnt die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Es könne zu «Knappheiten in kürzester Zeit» kommen, wenn die Nachfrage in Schwellenländern wie Indien oder China wieder kräftig zunimmt – mit entsprechenden Folgen beim Ölpreis.

Für das Web ediert von Matthias Breitinger