Skandal um Kreditkarten-Daten: 

netzeitung.dePolizei vernimmt Kurierfahrer der LBB

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Kreditkarten-Besitzer sind beunruhigt über das Daten-Leck der LBB (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kreditkarten-Besitzer sind beunruhigt über das Daten-Leck der LBB
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Der Karton mit den Mikrofiches wurde in Frankfurt abgeholt, kam aber nicht wie geplant in Berlin bei der Landesbank an. Was genau passiert ist, und ob Kunden geschädigt wurden, das ermittelt die Kripo derzeit.

Die Frankfurter Kripo ist bei der Aufklärung des Datenskandals um Kreditkartenkunden der Landesbank Berlin (LBB) ein Stück weiter gekommen. Das Betrugsdezernat hat zwei Kurierfahrer ermittelt und am Montag und Dienstag vernommen, teilte ein Polizeisprecher mit. Es bleibe aber unklar, ob die Unterlagen verloren gingen oder gestohlen wurden, ergänzte der Sprecher in Frankfurt. Die Fahrer hatten den Karton von der Frankfurter Filiale der Servicefirma Atos Wordline abgeholt.

Die Sendung kam aber nicht wie geplant in Berlin an, sondern landete am Freitag in der Poststelle der «Frankfurter Rundschau», adressiert an Chefredakteur Uwe Vorkötter. Die Polizei stellte auch Ermittlungen im Verlagshaus an, konnte aber nach eigenen Angaben noch nicht klären, wer das Paket dorthin gebracht hatte. Über das Ergebnis der Vernehmungen der Kurierfahrer wollte die Polizei noch keine Angaben machen. Der Polizeisprecher betonte jedoch, es sei unwahrscheinlich, dass ein Diebstahl durch Dritte vorliege.

Bisher keine Geschädigten
Bei der LBB, Deutschlands größtem Herausgeber von Kreditkarten, haben sich nach Angaben einer Sprecherin bisher keine Geschädigten gemeldet. Der Datenschutz-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses wird sich noch in dieser Woche in einer Sondersitzung mit dem Skandal beschäftigen.

Zehntausende vertrauliche Daten der LBB - darunter Namen, Kontonummern und detaillierte Buchungsvorgänge - waren vergangene Woche abhandengekommen und der «Frankfurter Rundschau» zugespielt worden. Sie verschwanden vermutlich bei einer Kurierfahrt und kamen in einem Päckchen bei der Zeitung an. Die Polizei geht nach Angaben des Sprechers nicht davon aus, dass die fraglichen Daten missbraucht wurden. Nähere Angaben machte er nicht. Im Betrugsdezernat befassen sich mehr als zehn Sonderermittler mit dem Fall.

Die Landesbank hat 1,9 Millionen Kreditkarten ausgegeben. Sie stellt auch Karten für andere Firmen bereit, etwa den Automobilclub ADAC und den Internet-Versandhändler Amazon. Die LBB-Sprecherin sagte, die Zahl der Anrufe und E-Mails besorgter Kunden sei seit dem Wochenende «deutlich zurückgegangen». In den Filialen sei es vergleichsweise ruhig.

Verband kritisiert «Schlamperei»
Nach Angaben einer Sprecherin des Berliner Abgeordnetenhauses haben die Oppositionsfraktionen von CDU und Grünen für diesen Freitag die Sondersitzung des Unterausschusses für Datenschutz beantragt. Bei der Debatte über die politischen Konsequenzen des Skandals soll auch ein Vertreter der LBB angehört werden.

Der Fachverband für multimediale Informationsverarbeitung (FMI) warf Atos Worldline Schlamperei vor. FMI-Geschäftsführer Achim Carius sagte der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag), es sei abenteuerlich, dass die Mikrofiche-Folien mit den Kreditkartendaten in einem Pappkarton bei der «FR» eingingen. Die Filme oder Folien müssten in speziellen Behältern verschickt werden.

Die LBB-Sprecherin wollte sich unter Verweis auf die Ermittlungen der Polizei nicht zu diesen Vorwürfen äußern. Die Landesbank hatte angekündigt, den gesamten Prozess des Datenversandes mit Hilfe interner Revisoren und externer Sachverständiger unter die Lupe zu nehmen. Atos hatte zu Wochenbeginn jegliche Stellungnahme zu dem Fall abgelehnt. (AP/dpa)