Es fehlt bis zu einer Milliarde Euro:
Merckle will geregelte Abwicklung
05.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Merckle fürchtet Pfändungen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Er ist noch nicht bereit, sich von seinem Imperium zu trennen. Die Banken drängen auf Machtabgabe und Verkäufe, doch Unternehmer Merckle will noch eine Gnadenfrist - also noch einen Kredit
Der in Finanznot geratene Milliardär und Unternehmer Adolf Merckle hofft laut einem Bericht auf eine Gnadenfrist der Banken bis Weihnachten. Wie die «Südwest Presse» am Freitag unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, will die Ratiopharm-Muttergesellschaft VEM erreichen, dass das Stillhalteabkommen mit den mehr als 30 Kreditinstituten bis kurz vor Weihnachten verlängert wird. Ziel sei es, mit weniger Banken einen Überbrückungskredit für etwa ein halbes Jahr abzuschließen, um einen geordneten Übergang und auch die nötigen Verkäufe vorzubereiten.
Den Zeitraum für die angestrebte Verlängerung des Kredites wollte die Merckle-Sprecherin nicht kommentieren. «Die Gespräche dauern an», sagte sie lediglich. Zum Stand und Inhalt wurden keine Angaben gemacht. Nach Angaben aus Finanzkreisen könnte in den kommenden Tagen ein Ergebnis bei den Gesprächen erzielt werden. In mit der Sache vertrauten Kreisen wird der Finanzbedarf von Merckle auf ein Volumen von 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt. Auf Druck der Banken soll die Unternehmerfamilie laut «Südwest Presse» die Macht in weiten Teilen ihrer Firmengruppe abgeben.
Informierten Kreisen zufolge wolle die Familie mit weitgehenden Zugeständnissen die Zahlungsunfähigkeit der Merckle-Dachgesellschaft VEM Vermögensverwaltung verhindern. «Die Banken dringen auch auf den Verkauf von anderen Unternehmen», wurde Philipp Merckle von der «Südwest Presse» mit Blick auf Ratiopharm zitiert. Bei dem Arzneimittelhersteller stelle sich die Frage, ob er «noch als Familieneigentum verkauft werden kann». Philipp, der zweitälteste Sohn von Firmenpatriarch des 74-jährigen Patrioarchen, sei bei einer Lösung des Finanzproblems der Merckle-Gruppe allerdings außen vor, schrieb das Blatt. Nachdem er im Frühjahr von der Familie als Chef der Ratiopharm abberufen worden war, geht er unternehmerisch eigene Wege.
LBBW verhandelt mitEine Merckle-Sprecherin bestätigte Angaben, dass die VEM bisher noch keine Anteile von Firmen an die Banken verpfändet habe. Hintergrund für den Finanzengpass der Merckle-Gruppe, zu der neben Ratiopharm auch HeidelbergCement und der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix gehören, ist das kreditfinanzierte Engagement der Dachgesellschaft VEM, die der Familie Merckle gehört. Sie hat Kapitalerhöhungen beim börsennotierten Baustoffkonzern HeidelbergCement zu Teilen auf Kredit finanziert. Als Sicherheit für die Banken dienten Heidelcement-Aktien. Der Aktienkurs des Unternehmens ist in den letzten Wochen jedoch deutlich zurückgegangen. Mit jedem Euro, den die Aktie weniger wert ist, wächst die Lücke bei den Sicherheiten, die die VEM den Banken gegeben hat. Ein erste Frist der Banken war am Dienstag um Mitternacht ausgelaufen. Die drei wichtigsten Unternehmen der Merckle-Gruppe haben den Angaben einer Sprecherin zufolge etwa 100.000 Mitarbeiter und machen jährlich insgesamt 30 Milliarden Umsatz. Merckle steht unter anderem bei der LBBW in der Kreide. (AP)