02.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die US-Marken werden ihre Fahrzeuge nicht los
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einmal schon sind GM, Chrysler und Ford in Washington gescheitert mit ihrer Bitte um eine Milliardenhilfe. Nun starten die von der Pleite bedrohten Konzerne einen zweiten Anlauf - und geben sich geläutert.
Die drei großen amerikanischen Autobauer wollen mit einschneidenden Sanierungsprogrammen den US-Kongress davon überzeugen, ihnen doch noch Milliardenhilfen zu gewähren. Die Pläne von Ford, General Motors und Chrysler enthielten Schritte zur Kostenreduzierung, Entwicklung spritsparender Modelle und Neuausrichtung der Konzerne, berichtete das «Wall Street Journal». Der Kongress hatte den Unternehmen bis Dienstag Zeit gegeben, konkrete Programme vorzulegen, wie sie den geforderten Staatskredit über 25 Milliarden Dollar einsetzen wollen.
Unterdessen wurden dramatische Absatz-Rückgänge für den Monat November bekannt. GM verkaufte 41 Prozent weniger Autos in den USA, Ford konnte 30 Prozent weniger PKW absetzen. Auch nicht-amerikanische Autobauer bekamen die Folgen der Wirtschaftskrise in den USA zu spüren. So mussten etwa BMW, Daimler und Toyota im November auf etwa ein Drittel der Verkäufe verzichten. Porsche konnte sogar im Vergleich zum Vorjahr nur noch die halbe Zahl an Sportwagen verkaufen.
Ein Dollar JahresgehaltDie Vorstandsvorsitzenden von Ford und General Motors, Alan Mulally und Rick Wagoner, wollen den Angaben zufolge überdies für ein symbolisches Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten, wenn das Darlehen gewährt wird. Es wurde erwartet, dass alle drei Unternehmenschefs zu weiteren Anhörungen an diesem Donnerstag und Freitag nach Washington kommen werden, um die Pläne zu erläutern. Bei einem ersten Auftritt vor zwei Wochen waren ihre Forderungen nach dem Milliardenkredit im Kongress auf deutliche Skepsis gestoßen.
Ford plant dem Zeitungsbericht zufolge unter anderem, die Entwicklung von Hybrid- und Elektroautos schneller voranzutreiben. Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass der Autokonzern einen Verkauf seiner schwedischen Tochter Volvo erwägt. Zudem plant der Hersteller, in den nächsten sieben Jahren Investitionen von bis zu 14 Milliarden Dollar, um den Spritverbrauch seiner Autos um durchschnittlich 14 Prozent zu senken.
General Motors wolle sich auf den Abbau seiner Schulden konzentrieren und womöglich ebenfalls eine seiner acht Marken abstoßen, möglicherweise Saab. Chrysler habe vor allem im Auge, durch eine Kapitalspritze das Unternehmen zu stabilisieren und eventuell einen Zusammenschluss mit einem oder mehreren ausländischen Autobauer anzustreben.
Chefs müssen zehn Stunden Auto fahrenNachdem vor zwei Wochen die Anreise der drei Konzernchefs in Firmenjets auf scharfe Kritik gestoßen war, plante Ford-Chef Mulally laut US-Medien, diesmal in einem Hybrid-Auto nach Washington zu kommen. Detroit liegt rund zehn Autostunden entfernt. Auch GM-Chef Wagoner will mit einem Firmenauto kommen.
Ohne staatliche Milliardenhilfe sehen die drei führenden US- Autobauer bis zu drei Millionen Arbeitsplätze bedroht. GM-Chef Wagoner hatte bei den ersten Anhörungen vor «katastrophalen gesellschaftlichen Folgen» gewarnt, sollte die US-Autoindustrie untergehen.
Die Autoverkäufe in den USA waren im Oktober auf den tiefsten Stand seit 1991 gestürzt. Ursache sind vor allem die Probleme am Kreditmarkt, wodurch Verbraucher weit schwerer als bislang an Darlehen für einen Autokauf kommen. Kritiker machen jedoch auch eine verfehlte Modellpolitik und Missmanagement dafür verantwortlich. (nz/AP/dpa)