Fast 3,5 Millionen Arbeitslose in 2009: 

netzeitung.deJede dritte Firma will Beschäftigung abbauen

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Wie sicher ist sein Arbeitsplatz? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wie sicher ist sein Arbeitsplatz?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die deutschen Unternehmen blicken trübe ins nächste Jahr: 37 Prozent von ihnen erwarten einen Produktionsrückgang. Das IW rechnet mit einem Abschwung von knapp 0,5 Prozent, sieht die Wirtschaft aber «nicht im freien Fall».

Sechs bis neun Monate: So lange dauert es, bis der deutsche Arbeitsmarkt üblicherweise auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. Die aktuelle Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft werden also erst im kommenden Jahr auf den Arbeitsmarkt durchschlagen – dann aber richtig. Gut ein Drittel der Unternehmen beabsichtigt, 2009 die Anzahl der Mitarbeiter zu reduzieren, wie das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag unter Berufung auf eine Umfrage unter rund 1800 Unternehmen mitteilte.

Betroffen seien zunächst Zeitarbeitskräfte, sagte IW-Direktor Michael Hüther voraus. Zudem würden Arbeitszeitkonten abgebaut. Es bestehe eine gewisse Hoffnung, «dass der Kern der Belegschaften stabil gehalten werden kann». Insgesamt würden die Aussichten indes pessimistisch beurteilt. Der bisherige Aufschwung am Arbeitsmarkt werde spätestens 2009 beendet sein, sagte Hüther.

Immerhin erwartet mit 46,5 Prozent fast jedes zweite Unternehmen eine stabile Beschäftigungslage – doch das arbeitgebernahe Institut geht in einer neuen Prognose jetzt davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresschnitt 2009 um 230.000 auf unter 40 Millionen sinken wird. Die Zahl der Arbeitslosen lege zugleich um 190.000 auf fast 3,5 Millionen zu. Damit bleibe der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu früheren Rezessionen aber moderat, fügte Hüther hinzu.

Nachlauf der Auftragseingänge
Der IW-Direktor geht davon aus, dass der Abschwung auch 2010 anhalten wird. Panikmache sei zwar nicht angebracht, «aber in der Summe zeigt das Konjunkturbarometer kein erfreuliches Bild». Auf Basis der Unternehmensbefragung senkte das IW seine Konjunkturprognose erneut leicht ab: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde gegenüber 2008 um knapp ein halbes Prozent sinken, sagte Hüther. Anfang Oktober hatte das Institut noch ein Wachstum von 0,6 Prozent vorhergesagt.

Noch sieht die Geschäftslage einigermaßen stabil aus. 38 Prozent der befragten Unternehmen melden eine unveränderte Produktion, für fast 30 Prozent habe sich die Lage sogar verbessert, hieß es. Der Außenhandel blieb für gut die Hälfte der Unternehmen gleich. Ein Viertel meldet gar steigende Ausfuhren. Der Grund dafür sind wohl der gute Auftragseingang und damit Auftragsbestände, die noch abgearbeitet werden müssen.

«Nicht im freien Fall»
Doch die Firmen blicken pessimistisch ins nächste Jahr: Fast 37 Prozent von ihnen erwarten einen Produktionsrückgang. Insgesamt sei der Saldo der Erwartungen zum ersten Mal seit Frühjahr 2003 negativ, das heißt, die Zahl der negativ eingestellten Unternehmen übersteigt die der Firmen mit positiver Geschäftseinschätzung.

«Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit aber nicht im freien Fall», betonte Hüther. Knapp 40 Prozent der Unternehmen würden mit einer unveränderten, rund 24 Prozent gar mit einer steigenden Produktion rechnen. Besonders skeptisch seien die Baubranche und die Konsumgüterindustrie. Weniger pessimistisch zeigen sich derweil die Hersteller von Investitionsgütern sowie der Dienstleistungssektor. Zudem sehe die ostdeutsche Wirtschaft dem neuen Jahr gelassener entgegen als die Betriebe in den alten Bundesländern.

Export bricht weg, Binnenkonsum stottert
Ein Grund für die insgesamt vorherrschende Skepsis dürfte der nachlassende Export sein, meint das IW. «Der Außenhandel wird den Konjunkturmotor weiter ins Stottern bringen», sagte Hüther. Die Exporte erreichten 2009 ihren Vorjahreswert nicht mehr. Erstmals seit sechs Jahren erwarten mehr Firmen (26 Prozent) einen Rückgang ihrer Ausfuhren als eine Steigerung (23 Prozent).

Während also der Außenhandel als Antriebsmotor ausfällt, sieht es mit dem privaten Konsum kaum besser aus. Er werde durch den erwarteten Anstieg der Erwerbslosigkeit in Mitleidenschaft gezogen, meinte Hüther. Die Konsumzurückhaltung wird auch in der Umfrage von 49 Prozent der Unternehmen als wesentliches Risiko genannt. Hüther sagte, dem stehe eine sinkende Inflation bei Einkommenserhöhungen von mehr als drei Prozent entgegen. «Der private Verbrauch kann vielleicht überraschen», sagte der IW-Direktor.

Doch angesichts der unsicheren Lage halten sich die Unternehmen bei Investitionen zurück. Für 2009 erwarten 34 Prozent der Unternehmen rückläufige Investitionen in ihrem Betrieb. In nur noch 23 Prozent der Firmen wird mehr investiert. Am stärksten haben sich laut IW die Investitionsabsichten im Baugewerbe eingetrübt, am geringsten noch im Dienstleistungssektor sowie bei ostdeutschen Herstellern von Investitionsgütern.

Für das Web ediert von Matthias Breitinger