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Solarworld-Chef Frank Asbeck: 

Der Sonnen-Hütchenspieler

19. Nov 2008 17:52
Als Student 120 Kilo: Asbeck
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Der Umgang mit den ganz Großen ist ihm nicht fremd, doch mit seiner Kauf-Offerte für Opel irritiert Frank Asbeck die deutsche Wirtschaft. Der Bonner Solar-Unternehmer ist seiner Zeit zu weit voraus. Von Tilman Steffen

Frank Asbeck liebt öffentliche Auftritte: Er drückt gern rote Knöpfe, wie bei der Eröffnung seiner neuen Fabrik im sächsischen Freiberg. Regelmäßig schreibt er Offene Briefe an die «verehrten Kunden, Aktionäre, Mitarbeiter und Freunde der Solarworld AG», die mit «sonnigen Grüßen» enden. Gern tritt der 49-Jährige in Trachtenjacke auf, geschmückt mit grellfarbigen Accessoires. Porträt-Autoren krönten den studierten Agrarwissenschaftler wegen seiner barocken Erscheinung zum «Sonnenkönig» – angelehnt an Ludwig den XIV., der seine Untergebenen mit extravaganten Wünschen nervte. Grünen-Mitglied Asbeck hat Tierschützer aufgebracht, weil er am künftigen Sitz der Solarworld in der Bonner Rheinaue ein 10.000 Quadratmeter großes Raubtiergehege mit simbabwischen Löwen plant.

Mit seiner Kauf-Offerte an den Opel-Eigentümer General Motors (GM) schafft es Asbeck wieder auf die ersten Zeitungsseiten. GM lehnte zwar ab, kaum dass der US-amerikanische Arbeitstag begonnen hatte. Zumindest aber hat der Solarworld-Chef einen PR-Coup gelandet.

Für den Bonner Unternehmer ist die derzeitige Wirtschaftskrise nicht nur ein Problem, sondern auch ein Wendepunkt. Der umtriebige Sonny-Boy sieht sich in seiner Vision bestärkt, dass die weltweit schwindenden Ölreserven und die Kreditklemme gleichermaßen die Nachfrage nach Solarenergie erhöht.

Asbeck in Bonn
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Bisher war sein Konzept schlüssig: 1999 brachte Asbeck sein ein Jahr zuvor gegründetes Unternehmen in Eigenregie an die Börse. Vom Erlös kaufte er dem Chemiekonzern Bayer dessen im sächsischen Freiberg ansässige Solarsparte ab. 2004 war die Solarworld-Aktie mit 500 Prozent Kursplus die erfolgreichste am deutschen Markt. 2006 erwarb Asbeck das Sonnenenergie-Segment des Ölmultis Shell. Sein Expansionsdrang wuchs bis über den Atlantik, im Oktober eröffneter der Handwerker-Sohn seine erste Fabrik in den USA – im Bundesstaat Oregon. Im Sommer dachte er mit anderen Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien laut über einen Einstieg ins deutsche Stromnetz nach – es blieb bei der Idee. Doch auch so zählt die Solarworld AG mit weiteren Tochtergesellschaften in Spanien, Asien und Afrika zu den größten Solarkonzernen weltweit.

Nun will er Opel. Der Einstieg bei den ganz Großen ist ihm seit dem Geschäft mit Shell nicht neu. Doch diesmal geht es nicht um Sonne und Elektrizität, sondern um das Gegenteil: Mit fossilen Energieträgern angetriebene Autos, die bei Inversionswetterlage mit ihren Abgasen den Himmel verdunkeln. Doch von den Opel-Bändern sollten künftig nicht nur spritgetriebene Fahrzeuge rollen, sondern auch Wagen mit abgasarmen und energieeffizienten Antrieben.

Für seine Absicht, das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen in einen «grünen» Konzern zu wandeln, kann man Asbeck Courage bescheinigen. Auch die Dimensionen sprechen dafür: Solarworld machte 2007 gerade einmal 700 Millionen Euro Umsatz, Opel rund 16 Milliarden. Solarworld beschäftigt heute knapp 2500 Mitarbeiter, Opel allein in Deutschland 26.000. Doch wie ernst ist einer zu nehmen, der die Energiewende anstrebt und zugleich im spritfressenden Maserati von Termin zu Termin eilt?

Solarzellen-Montage
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Auch wurde schnell klar, dass Asbeck die Opel GmbH nicht kaufen, sondern geschenkt haben wollte. Denn für den Deal formulierte die rheinische Frohnatur trickreich Bedingungen: Pro Arbeitsplatz verlangte Asbeck eine Mitgift von 40.000 Euro, insgesamt eine Milliarde Euro – etwa die Summe, die er anschließend in den Autobauer investieren wollte. Trotzdem die Börsen-Pflichtmitteilung der Solarworld vom Vormittag den Regeln der Branche entsprach, spotteten Aktienhändler über den «PR-Gag». Doch vollends ignorieren wollten die Broker die Botschaft auch nicht: Der Solarworld-Kurs fiel zeitweise um fast 20 Prozent, rund 300 Millionen Euro Börsenwert verdampften.

Asbeck wird das im Polster seiner Luxuslimousine aussitzen. Er ist das meistern von Ausnahmesituationen gewohnt: «Ich hab etwas vom Zirkusdirektor, aber es ist ein schöner Zirkus», bekannte er schon vor Jahren. Vielleicht kam die als Phantasterei belächelte Börsen-Mitteilung ja auch einfach zum falschen Zeitpunkt. «Ich erkenne Trends sehr, sehr früh«, sagte Asbeck erst vor wenigen Wochen dem «Handelsblatt». «Meist bin ich anderen zehn Jahre voraus.» So wie ihn Wegbegleiter einschätzen, wird der Öko-Prophet seinen Plan nicht so bald aufgeben. «Er ist ein absoluter Dickkopf, was er sich vornimmt, zieht er durch», sagt der frühere NRW-Landesminister Michael Vesper, mit dem Asbeck in Hersel bei Bonn den ersten Grünen-Landesverband gründete. Zumindest wenn man ihn lässt.

 
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