Hilfe vom US-Kongress:
«Big Three» der Autoindustrie wollen Milliarden
19. Nov 2008 07:44
 |  Auch General Motors geht es nicht gut: Detroit | Foto: AP |
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Angeblich stehen sie vor dem Abgrund: Die amerikanischen Chef-Autobauer sehen die Krise ihrer Unternehmen so ernst, dass sie selbst auf einen Teil ihres Gehalts verzichten würden.
Es soll eine Warnung vor dem Kollaps sein: Die drei großen Autobauer der USA haben staatliche Finanzhilfen von insgesamt 25 Milliarden Dollar gefordert, um die Unternehmen vor dem Aus zu retten. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn General Motors, Ford und Chrysler können nicht mit schneller staatlicher Hilfe rechnen.
Zunächst gab es erst einmal Absagen: Finanzminister Henry Paulson lehnte es ab, einen Teil des 700-Milliarden-Dollar-Pakets für die Banken an die Autokonzerne abzuzweigen. Auch im Kongress wurden am Dienstag Vorbehalte laut. «Unsere Branche braucht eine Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor uns aufgetan hat», erklärte General-Motors-Vorstandschef Rick Wagoner vor dem Bankenausschuss des Senats. Wagoner machte keine eigenen Management-Fehler, sondern die Finanzkrise für die schlechte Lage verantwortlich. Ein Zusammenbruch der Branche würde den Verlust von drei Millionen Arbeitsplätzen bedeuten, warnte der Chef der Opel-Konzernmutter.
Chrysler schwächelt
Chrysler steht nach eigenen Angaben vor dem Abgrund, falls er keine staatliche Finanzspritze erhält. Konzernchef Robert Nardelli erklärte vor dem Ausschuss, Chrysler habe pro Monat zwischen vier und fünf Milliarden Dollar an Kosten für Löhne und Gehälter, zur Bezahlung der Rechnungen von Zuliefern und anderes. Falls Chrysler Insolvenz beantrage, wären die Kosten für eine Umstrukturierung größer als die Ausgaben, die der Staat für eine Überbrückungshilfe zahlen müsse, sagte Nardelli weiter. Und es sei nicht sicher, dass Chrysler nach einer Insolvenz weiterbestehen könne. Beide Manager erklärten auf Nachfragen von Senatoren, sie seien bereit, über einen Gehaltsverzicht nachzudenken, um ihre Opferbereitschaft unter Beweis zu stellen.
Opel plant Volumenreduzierung
Auch die deutsche GM-Tochter Opel braucht laut einem Zeitungsbericht im «schlimmsten anzunehmenden Fall» eine Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Dabei gehe es um 1,3 Milliarden Euro für das kommende Jahr und weitere 500 Millionen für 2010, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) unter Berufung auf Teilnehmer der Berliner Krisengespräche.Opel plane zudem eine deutliche Volumenreduzierung in fast allen europäischen Werken. «Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut 10 Prozent nach unten», sagte Opel-Geschäftsführer Hans Demant laut FAZ.
30-Stunden-Woche diskutiert
Die deutlich reduzierten Erwartungen würden Konsequenzen für Produktion und Beschäftigung haben. Denn statt 1,7 Millionen Autos dürfte Opel künftig nur noch um die 1,5 Millionen herstellen. Das räumte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» ein: «Diskutiert wird eine 30- Stunden-Woche in allen unseren europäischen Werken mit Ausnahme von Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia anläuft.» Der Europachef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Carl-Peter Forster hatte das erbetene Bürgschaftsvolumen am Montagabend auf «etwas mehr als eine Milliarde Euro» beziffert. Opel betont, es gehe nur um eine Vorsorge für den Fall, dass nach einer Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter die Geldströme abreißen. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über die Gewährung einer Bürgschaft entscheiden.
Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung müssen die Führungskräfte der General-Motors-Tochter Adam Opel müssen von sofort an auf größere Teile ihres Einkommens verzichten. GM-Europa- Chef Carl-Peter Forster habe für die kommenden 14 Monate konzernweit alle vertraglich zugesicherten Bonuszahlungen, Prämien und sonstigen Sondervergütungen gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Management-Ebenen an allen europäischen Standorten.
Senatoren sind skeptisch
Die US-Demokraten um den künftigen Präsidenten Barack Obama wollen die 700 Milliarden Dollar aus dem Banken-Rettungspaket der Regierung anzapfen, um den schwer angeschlagenen Autobauern zu helfen. Präsident George W. Bush und die meisten Republikaner lehnen das ab. Sie wollen, dass die Autokonzerne frei über ein bereits bewilligtes Kreditpaket von ebenfalls 25 Milliarden Dollar verfügen können, das eigentlich für die Entwicklung sparsamerer Autos gedacht ist. Die Chefs der «Big Three» stießen bei den Senatoren auf Skepsis. «Werden wir hier im Senat darum gebeten, einer stärkeren, wettbewerbsfähigeren Autoindustrie den Weg zu bereiten, oder darum, ein Scheitern am Markt endlos fortzusetzen?», fragte der Republikaner Richard Shelby. «Wir brauchen eine Versicherung, dass sie (die Autobauer) nicht in sechs Monaten zurückkommen und noch mehr verlangen», sagte der demokratische Senator Charles Schumer.
Die Autoverkäufe in den USA sind im Oktober auf den tiefsten Stand seit 1991 gestürzt. Ursache sind vor allem die Probleme am Kreditmarkt, wodurch Verbraucher weit schwerer als bislang an Darlehen für einen Autokauf kommen. (dpa/AP)