Bürgschaft erbeten:
Das große Buhlen um Opel
17.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Es ist anfangs bloß eine Bitte um eine Bürgschaft für nächstes Jahr. Angesichts der dramatischen Krise des Mutterkonzerns General Motors (GM) fürchtet der Autobauer Opel, dass ihm Anfang 2009 das Geld ausgehen und Bankkredite nicht verfügbar sein könnten. Zudem muss das Unternehmen damit rechnen, dass GM Verluste auf Opel abschiebt, um seine Bilanzen aufzupolieren. Eine berechtigte Sorge. General Motors schuldet seiner deutschen Tochter schon jetzt mehrere Milliarden Euro - und steht offenbar kurz vor dem Konkurs.
Der Opel-Vorstand handelte also umsichtig und vorausschauend, als er bei der Bundesregierung eine Bürgschaft beantragte. Von der Politik kann man das nicht behaupten. So war die Bitte kaum in der Welt, da wollte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gleich 500 Millionen garantieren. Schließlich liegt das Opel-Stammwerk in Hessen und der Wahlkampf ist schon in vollem Gang. Versteht sich von selbst, dass auch Hessens SPD den Staat in der Pflicht sieht - komme, was da wolle.
Doch nicht nur in Hessen, auch in Berlin ist Wahlkampf, und jeder möchte Opel retten. Also lud erst Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Betriebsräte der Autoindustrie für heute zum Krisengipfel, bevor Minuten später Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Opel-Chefs nach Berlin bat. Der zuständige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) schließlich trifft morgen die Ländervertreter, um über Bürgschaften für Opel zu beraten. Sollte der Konzern sie tatsächlich brauchen, werden die armen Opelianer gar nicht wissen, bei wem sie sich mit ihren Stimmzetteln bedanken müssen.
Übernommen mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung»>>>.

