Dresdner Bank, HSH Nordbank, Allianz: 

netzeitung.deDeutsche Banken im Strudel der Finanzkrise

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Die Bankenkrise ist noch lange nicht ausgestanden (Foto: nz/dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Bankenkrise ist noch lange nicht ausgestanden
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Die schlechten Nachrichten für die deutsche Finanzwirtschaft reißen nicht ab: Die Dresdner Bank erlitt Milliardenverluste, worunter auch die Allianz leidet. Zudem verlor ein Landesbank-Chef seinen Job.

Die Finanzkrise hat bei den deutschen Banken weitere tiefe Spuren hinterlassen. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank musste kurz vor ihrer geplanten Übernahme durch die Commerzbank mit 2,4 Milliarden Euro Verlust das schlechteste Neun-Monats-Ergebnis ihrer Geschichte ausweisen. HSH-Nordbank-Chef Hans Berger wurden die Gesamtbelastungen seiner Bank im Zuge der Finanzkrise im Umfang von rund 2,6 Milliarden Euro zum Verhängnis: Er gab am Montag seinen Posten auf.

Unterdessen werden auch die Autobanken von der Krise erfasst. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) bestätigte das Interesse einzelner Autobanken am staatlichen Rettungspaket. Es solle verhindert werden, dass sich wegen der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten die Refinanzierung der Autokredite verteuere.

Europas größter Versicherer, die Allianz, verwarf das Gewinnziel 2008 wegen Milliarden-Abschreibungen im Zuge des Verkaufs der Dresdner. Allein im dritten Quartal hatte der Verkauf des Sorgenkindes Dresdner Bank an die Commerzbank der Allianz einen Verlust von 2 Milliarden Euro beschert.

Noch mehr Verluste drohen
Sollten sich die Börsen bis Jahresende verglichen mit dem Stand Ende Oktober nicht erholen, sei mit zusätzliche Abschreibungen von rund einer Milliarde Euro zu rechnen, sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet am Montag in München.

«Vor diesem Hintergrund halten wir die Zielmarke für das operative Ergebnis von neun Milliarden Euro in 2008 für nicht mehr erreichbar», kündigte Perlet an. Auch die für 2009 angepeilten neun Milliarden Euro operatives Ergebnis stehen auf der Kippe.

Im dritten Quartal kämpfte die Dresdner Bank mit hohen Verlusten von 1,2 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn ist mittlerweile ein Minus von 2,4 Milliarden Euro aufgelaufen, wie die Bank in Frankfurt berichtete. Ungeachtet der schlechten Ergebnisse werden Investmentbanker der Dresdner Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Bonus erhalten, wie Perlet frühere Medienberichte bestätigte.

In einigen Bereichen des Investmentbankings habe es auch große Erfolge gegeben, zudem seien diese Zahlungen schon vor der Vereinbarung zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank zugesagt worden, hieß es von der Bank.

HSH Nordbank verliert ihren Chef
Bei der HSH Nordbank übernahm Vorstandschef Berger nach nicht einmal zwei Jahren im Amt die Verantwortung für das Finanzdebakel. Er verzichtete auf eine Abfindung. Noch Anfang September hielt er an Gewinnprognosen von 400 Millionen Jahresüberschuss fest, um sie dann Mitte September zurückzuziehen.

Anfang November schließlich musste die HSH Nordbank unter den Rettungsschirm der Bundesregierung schlüpfen und beantragte Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro. Die Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise summierten sich bis Ende September auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt sei ein Verlust von 360 Millionen Euro entstanden.

«Der Vorstand hat Intensität und Dauer der Krise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank in diesem Ausmaß nicht vorhergesehen», sagte Berger. Seit dem dritten Quartal seien Abschreibungen und Wertberichtigungen höher als die Erträge der Bank, so dass sich Verluste aufhäufen. Nachfolger für Berger werde bis auf weiteres Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher.

Probleme der anderen Landesbanken
Auch die anderen deutschen Landesbanken sind schwer von Finanzkrise gezeichnet. Die SachsenLB musste an die LBBW in Stuttgart verkauft werden. Die BayernLB beantragte als erste Hilfen aus dem Rettungspaket. Sie brauchte 6,4 Milliarden Euro frisches Kapital. Auch die WestLB will das Paket nutzen.

Die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) erklärte am Montag, sie wolle «zeitnah» prüfen, ob sie das Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen wolle. Bei den großen Geschäftsbanken hatte außer der Commerzbank bereits Mitte Oktober der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate umfangreiche Hilfen beantragt.

Die Dresdner Bank leidet seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres vor allem in der Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort unter der Finanzkrise. Allein den Wert ihrer forderungsbesicherten Wertpapiere musste die Bank nach Allianz- Angaben zwischen Juli und September um 650 Millionen Euro nach unten korrigieren. Im Zusammenhang mit dem Dresdner-Verkauf hatte die Allianz insgesamt 2,6 Milliarden Euro an Belastungen zu verkraften.

Dresdner Bank will kein Rettungspaket
Trotz der Probleme sei «aus heutiger Sicht auszuschließen», dass die Dresdner das Rettungspaket des Bundes in Anspruch nimmt, sagte Perlet. Die künftige Dresdner-Mutter Commerzbank suchte dagegen bereits Zuflucht unter dem Rettungsschirm. Den Verkauf der Dresdner wird dies nach Perlets Einschätzung aber nicht in Gefahr bringen.

Er sehe im Moment keinen Grund, warum der Deal scheitern sollte, sagte der Allianz-Vorstand. «Der Verkauf der Dresdner Bank läuft planmäßig», künftig werde die Bank keine Rolle mehr spielen in den Büchern des Konzerns. Es gebe auch keine Pläne, die Commerzbank mit einem Darlehen bei der Übernahme zu unterstützen.

Eine Prognose für den Jahresüberschuss der Allianz 2008 wollte Perlet angesichts der Unwägbarkeiten an den Börsen nicht abgeben. Weitere Verluste der Tochter Dresdner Bank würden sich allerdings nicht auswirken, da dann deren Buchwert angepasst würde. Zu den Belastungen durch die Dresdner Bank kamen im dritten Quartal auch Abschreibungen in Höhe von 189 Millionen Euro auf das Engagement der Allianz bei der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers. (dpa)