Dresdner Bank, HSH Nordbank, Allianz:
Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise
10.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Europas größter Versicherer, die Allianz, verwarf das Gewinnziel 2008 wegen Milliarden-Abschreibungen im Zuge des Verkaufs der Dresdner. Allein im dritten Quartal hatte der Verkauf des Sorgenkindes Dresdner Bank an die Commerzbank der Allianz einen Verlust von 2 Milliarden Euro beschert.
«Vor diesem Hintergrund halten wir die Zielmarke für das operative Ergebnis von neun Milliarden Euro in 2008 für nicht mehr erreichbar», kündigte Perlet an. Auch die für 2009 angepeilten neun Milliarden Euro operatives Ergebnis stehen auf der Kippe.
Im dritten Quartal kämpfte die Dresdner Bank mit hohen Verlusten von 1,2 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn ist mittlerweile ein Minus von 2,4 Milliarden Euro aufgelaufen, wie die Bank in Frankfurt berichtete. Ungeachtet der schlechten Ergebnisse werden Investmentbanker der Dresdner Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Bonus erhalten, wie Perlet frühere Medienberichte bestätigte.
In einigen Bereichen des Investmentbankings habe es auch große Erfolge gegeben, zudem seien diese Zahlungen schon vor der Vereinbarung zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank zugesagt worden, hieß es von der Bank.
Anfang November schließlich musste die HSH Nordbank unter den Rettungsschirm der Bundesregierung schlüpfen und beantragte Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro. Die Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise summierten sich bis Ende September auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt sei ein Verlust von 360 Millionen Euro entstanden.
«Der Vorstand hat Intensität und Dauer der Krise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank in diesem Ausmaß nicht vorhergesehen», sagte Berger. Seit dem dritten Quartal seien Abschreibungen und Wertberichtigungen höher als die Erträge der Bank, so dass sich Verluste aufhäufen. Nachfolger für Berger werde bis auf weiteres Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher.
Die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) erklärte am Montag, sie wolle «zeitnah» prüfen, ob sie das Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen wolle. Bei den großen Geschäftsbanken hatte außer der Commerzbank bereits Mitte Oktober der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate umfangreiche Hilfen beantragt.
Er sehe im Moment keinen Grund, warum der Deal scheitern sollte, sagte der Allianz-Vorstand. «Der Verkauf der Dresdner Bank läuft planmäßig», künftig werde die Bank keine Rolle mehr spielen in den Büchern des Konzerns. Es gebe auch keine Pläne, die Commerzbank mit einem Darlehen bei der Übernahme zu unterstützen.
Eine Prognose für den Jahresüberschuss der Allianz 2008 wollte Perlet angesichts der Unwägbarkeiten an den Börsen nicht abgeben. Weitere Verluste der Tochter Dresdner Bank würden sich allerdings nicht auswirken, da dann deren Buchwert angepasst würde. Zu den Belastungen durch die Dresdner Bank kamen im dritten Quartal auch Abschreibungen in Höhe von 189 Millionen Euro auf das Engagement der Allianz bei der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers. (dpa)

