In der Bredouille:
Yahoo dient sich an - doch Microsoft will nicht mehr
07.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit dem Rücken zur Wand: Yahoo-Chef Jerry Yang
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wie sich die Welt in wenigen Monaten drehen kann: Im Sommer wies Yahoo-Chef Yang die Microsoft-Kaufofferte schroff zurück - jetzt bettelt er um eine Übernahme. Doch nun zeigt der Software-Gigant kein Interesse mehr.
33 Dollar je Aktie: So viel wollte Microsoft im Sommer zahlen, um Yahoo zu übernehmen. Jetzt wäre der Internetkonzern deutlich günstiger zu haben: Am Donnerstag kostete eine Yahoo-Aktie knapp 14 Dollar. Doch nun hat der Software-Riese kein Interesse mehr oder er tut zumindest so.
«Wir haben ein Angebot gemacht, wir haben noch ein Angebot gemacht, und es wurde deutlich, dass Yahoo das Geschäft nicht an uns verkaufen will, da haben wir uns weiterbewegt», sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Freitag in Sydney. «Wir sind nicht daran interessiert, zurückzukehren und uns eine Übernahme nochmals anzusehen.»
Für Microsoft wär's nun ein SchnäppchenDamit kommt Yahoo-Mitgründer und -Chef Jerry Yang zu spät. Monatelang hatte er sich gegen eine Übernahme durch Microsoft zur Wehr gesetzt. Die zuletzt gebotenen 33 Dollar je Aktie oder insgesamt 47,5 Milliarden Euro waren ihm zu wenig, er wollte mindestens 37 Dollar pro Anteilsschein oder 53 Milliarden Dollar herausschlagen. Von solchen Summen kann er nun nur träumen.
Am Mittwoch war Yang eingeknickt und hatte den Softwarekonzern öffentlich zu einem neuen Kaufangebot aufgefordert. «Das Beste, was Microsoft heute tun kann, ist, Yahoo zu kaufen», sagte Yang auf einer Web-2.0-Konferenz in San Francisco. Der Verwaltungsrat von Yahoo sei jetzt «offen für alles». Kein Wunder: Dem Yahoo-Chef schwimmen alle Felle davon. Am Mittwoch gab nämlich Google das Ende der Werbepartnerschaft mit Yahoo bekannt, abgeschreckt durch die massiven Bedenken der Kartellwächter.
Mit dem Projekt wollte Yahoo hohe Zusatzeinnahmen erzielen: Geplant war, auf einigen Yahoo-Websites von Google verkaufte Anzeigen einzublenden. Der Deal war zugleich Teil des Abwehrkampfs gegen eine Übernahme durch Microsoft. Das Ende des Projekts setzt Yahoo und seinen Chef Yang nun wieder verstärkt unter Druck.
Das letzte Wort noch nicht gesprochenZudem musste der CEO zuletzt schwache Quartalszahlen vermelden der Umsatz wächst nur noch wenig, die Erträge sinken. Branchenbeobachter sehen Yang bereits vor dem Aus. Schon im Sommer hatte sein interner Widersacher, der streitbare Großaktionär Carl Icahn, Druck gemacht. Icahn tritt seit längerem für einen Verkauf an Microsoft ein.
Doch auch Microsoft kann sich schwerlich zurücklehnen. Schließlich verfolgte der Konzern mit dem Kauf von Yahoo das Ziel, den enormen Rückstand gegenüber Google bei der Internetsuche zu verkürzen. Google dominiert den Suchmaschinen-Markt mit großem Vorsprung. In der Branche wird daher erwartet, dass Microsoft-Chef Ballmer in den nächsten Monaten ein neues Kaufangebot vorlegen wird. Ballmer gab sich schon in Sydney diplomatisch: Er fügte nämlich hinzu, es sehe noch Möglichkeiten für eine Partnerschaft mit Yahoo in Sachen Internetsuche. (nz)