Schlechte Quartalszahlen:
ProSiebenSat.1 muss sparen
06.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mit weiteren Einsparungen und dem Verkauf von Beteiligungen will das Management den Konzern nun wieder auf Kurs bringen und Schulden abbauen. An der Börse wurden die Zahlen mit Enttäuschung aufgenommen. Die ProSiebenSat.1-Aktie gab bis zum frühen Nachmittag um fast acht Prozent auf 2,36 Euro nach.
Damals hatte aber ein Bußgeld des Bundeskartellamtes in Höhe von 120 Millionen Euro ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Die bereits im August zurechtgestutzte EBITDA-Prognose von 670 bis 700 Millionen Euro für dieses Jahr nahm das Unternehmen zurück. «Es gibt derzeit wohl kaum ein Unternehmen, das ihnen eine seriöse Prognose liefern kann», sagte de Posch.
Knackpunkt waren dabei sogenannte Share-Deals beim Verkauf von Fernsehwerbung. Dabei verpflichten sich Mediaagenturen, also die Vermittler zwischen Sendern und Wirtschaft, einen gewissen Anteil ihres Werbespektrums bei einem Vermarkter zu platzieren. Die Agentur bekommt dafür Gratis-Spots, die sie wiederum weiterverkaufen oder zur Pflege neuer Kunden einsetzen kann.
Aus diesem Geschäftsgebaren entstand eine Sogwirkung, die kleine Mediaagenturen unter Druck brachte, weil die Platzierung von Werbung bei den Großen lukrativer war. Ein neues Vermarktungsmodell kam bei den Kunden aber nicht an, weil sie über Einschnitte bei den Gratisspots klagten.
Bislang seien Einsparungen von 70 Millionen Euro bis Jahresende vorgesehen. Spekulationen über einen möglichen Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach Unterföhring bei München wollte de Posch nicht kommentieren. Hier gebe es keine Entscheidungen. Auch über einem möglichen Nachfolger für sich wollte de Posch noch keine Angaben machen.
Zu kämpfen hat ProSiebenSat.1 aber auch mit einem enormen Schuldenberg von rund 3,7 Milliarden Euro wegen der Übernahme der skandinavischen Senderkette SBS im vergangenen Jahr. Allein die jährlichen Zinszahlungen bezifferte Finanzvorstand Axel Salzmann auf 250 bis 260 Millionen Euro pro Jahr. Priorität habe daher auch der Schuldenabbau, betonte de Posch.
Um die Verbindlichkeiten zu reduzieren, will sich ProSiebenSat.1 noch im laufenden vierten Quartal von dem skandinavischen Pay-TV-Unternehmen C More trennen. Der Wert wird auf mehr als 320 Millionen Euro beziffert. Den Verkauf der niederländischen Fernsehzeitschrift «Veronica» hatte der Konzern vor kurzem wegen des schwachen Marktumfeldes auf Eis gelegt. (dpa)

