Die Staatsbank und die Finanzkrise:
KfW versenkte Millionen in Island
06.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat die KfW zusätzlich über die dänische Tochter einer isländischen Bank Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro sowie 45 Millionen Wertpapierinvestments getätigt. «Diese unterliegen jedoch einer dänischen Staatsgarantie, so dass derzeit kein Abschreibungsbedarf besteht», schrieb das Ministerium in einer Antwort auf eine FDP-Anfrage.
Die Darlehen an die isländischen Banken dienten der Förderung des Mittelstands. Die KfW bewege sich damit im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags. Auch der Wertpapierkauf ausländischer Institute gehört laut Ministerium zum normalen Liquiditätsmanagement.
Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler forderte in Berlin: «Die Bundesregierung muss nach den Skandalen um die IKB, um die Lehman- Brothers-Überweisung und nun um das Island-Geschäft endlich bei der KfW aufräumen.» Die KfW müsse ihr Risikomanagement verbessern und der Bankenaufsicht unterstellt werden. «Die KfW ist dabei, buchstäblich den letzten Kredit zu verspielen.» Der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter mahnte, nicht jedes KfW-Geschäft nachträglich zu skandalisieren. Er erinnerte daran, dass sich dort deutsche Banken insgesamt mit über 21 Milliarden US-Dollar engagiert hätten.
Bei ihrer einstigen Düsseldorfer Beteiligung IKB musste die KfW Milliarden zuschießen. Die IKB hatte sich am Markt für faule US-Kredite verspekuliert und war in Existenznot geraten. Nur Hilfen von KfW, Bund und Bankenwirtschaft in Höhe von 9,8 Milliarden Euro retteten die Bank. Die Hauptlast schulterte die KfW.
Unterdessen verhandelt die Bundesregierung weiter mit der isländischen Regierung über die Entschädigung von 30.000 deutschen Kunden der Kaupthing-Bank. «Wir gehen davon aus, dass die isländische Einlagensicherung greift und Island seinen rechtlichen Verpflichtungen gegenüber den deutschen Sparern nachkommen wird», teilte das Finanzministerium mit. Konkrete Verhandlungsergebnisse gebe es derzeit noch nicht zu vermelden. (dpa)

