Wirtschaft in der Krise: 

netzeitung.deTausende Autoarbeiter müssen in Zwangsurlaub

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Auch bei Daimler wird über Produktionsstopps verhandelt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch bei Daimler wird über Produktionsstopps verhandelt
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Die Konjunkturaussichten werden trüber, die Zuversicht der Unternehmen schwindet. Am deutlichsten ist die Krise bei den Autoherstellern und ihren Zulieferern zu spüren. Daimler, BMW, Bosch - alle müssen die Bänder stoppen.

Die sich anbahnende Rezession trifft die Autoindustrie weltweit besonders hart. Viele Unternehmen der Branche kündigten an, dass sie ihre Produktion zurückfahren werden. Deutsche Firmen wie Daimler, BMW und der Zulieferer Bosch haben am Montag mitgeteilt, dass sie ganze Werke zeitweise schließen.

Daimler: Verhandlungen über Produktionsstopps
Bei Daimler werden sogar 150.000 Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien geschickt. Dies sagte Personalvorstand Günther Fleig am Montag in Stuttgart. Alle 14 Montagewerke in Deutschland seien von den verlängerten Betriebsferien betroffen. Das größte inländische Pkw-Werk in Sindelfingen stoppe die Produktion ab 12. Dezember. Dort werde die Arbeit am 12. Januar 2009 wieder aufgenommen. Sowohl in Pkw-Produktion als auch im Lastwagenbereich werden nach Fleigs Angaben auf Zeitkonten gesammelte Überstunden abgebaut. Wie lange die Bänder an anderen Standorten stillstehen war zunächst noch unklar. Darüber laufen laut Daimler in den einzelnen Werke noch Gespräche.

Fleig bekräftigte, dass der Autobauer zu seiner im Jahr 2004 vereinbarten Standortsicherung für Deutschland stehe. Danach sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 ausgeschlossen. «Das ist für uns die Maßgabe. Wir halten uns daran.» In der Vereinbarung gebe es erhebliche Flexibilisierungsmaßnahmen. Die Vereinbarung sieht ferner vor, dass bei einer weiteren Zuspitzung der Lage auf den Automärkten die Arbeitszeit bei Daimler auf 30 Stunden in der Woche reduziert werden könnte. Als weiterer Schritt wäre dann Kurzarbeit möglich.

2800 Autos weniger
Im Leipziger Werk des Autobauers BMW stehen seit Montag die Bänder still. BMW unterbricht die Produktion wegen des schwächelnden Absatzes für vier Tage. Nach Unternehmensangaben werden damit 2800 Autos weniger montiert. Für die 2600 Leipziger Beschäftigten sollen keine Einbußen entstehen.

Die Zeit wird auf Arbeitszeitkonten verrechnet. In Leipzig werden vier Modelle - die Dreier-Limousine und drei Einser-Varianten - montiert. Im September war der Absatz bei den drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 14,6 Prozent zurückgegangen. In den USA lag er um ein Viertel unter dem Vorjahreswert.

Bosch: Werk in Reutlingen betroffen
Bosch legte wegen der Krise in der Branche die Produktion in Reutlingen-Rommelsbach in dieser Woche still und schickte 400 Mitarbeiter nach Hause. Auch im Hauptwerk Reutlingen fielen einzelne Schichten aus, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Stuttgart. Über die Werksschließung sei kurzfristig entschieden worden.

Die Mitarbeiter hätten durch die Schließtage keine finanziellen Nachteile, da sie zuletzt viele Überstunden angesammelt hätten. In dem Werk in Reutlingen-Rommelsbach werden Einspritzpumpen für Dieselmotoren hergestellt.

Die Freizeit soll über Arbeitszeitkonten und Überstunden ausgeglichen werden, sagte die Sprecherin. Mit der Maßnahme verlängerten sich die ursprünglichen Weihnachtsferien um zwei Wochen. Wie viele Beschäftigte betroffen seien, konnte sie nicht sagen. Beschäftigte aus der Verwaltung, Entwicklung oder Planung würden nicht in Zwangsurlaub geschickt.

Toyota: Rückgang des Absatzes
Die Autoindustrie in den USA leidet besonders unter der aktuellen konjunkturellen Situation. General Motors und Chrysler, die seit Wochen über eine Fusion verhandeln, warten laut einem Zeitungsbericht auf staatliche Hilfen. Für die Opel-Mutter GM und die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler gebe es nur drei Optionen: Insolvenz, staatliche Unterstützung oder eine Fusion mit massivem Einsparpotential, schrieb das «Wall Street Journal» am Montag unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Und auch bei einem Zusammengehen könnten die beiden Unternehmen möglicherweise Regierungshilfen benötigen: Laut internen Schätzungen bräuchten der fusionierte Konzern etwa zehn Milliarden Dollar allein für Werksschließungen, Entlassungen und die Zusammenführung einzelner Einheiten.

Chrysler könnte Geld ausgehen
Beide Autohersteller leiden unter hohen Verlusten. Obwohl sie wiederholt betont haben, eine Insolvenz nicht einmal in Erwägung zu ziehen, tauchen Gerüchte darüber immer wieder aufs neue auf. Der Grund: Beide verbrennen jeden Monat beträchtliche Summen - GM schätzungsweise eine Milliarde Dollar, Chrysler 300 bis 400 Millionen. Analysten rechnen deshalb vor, dass den Konzernen bei diesem Tempo auch ohne eine weitere Verschlechterung der Autokonjunktur spätestens Ende 2009 das Geld ausgehen könnte. Eine gewaltige Belastung sind auch die hohen Pensionsverpflichtungen für ehemalige Beschäftigte, die sich allein bei GM bis zum Jahr 2017 auf gut 64 Milliarden Dollar belaufen.

Auch der führende japanische Autokonzern Toyota Motor musste angesichts des globalen Wirtschaftsabschwungs im abgelaufenen Quartal erstmals seit sieben Jahren einen Absatzrückgang hinnehmen. Wie der erfolgsverwöhnte Autobauer am Montag bekanntgab, sank der weltweite Absatz der Gruppe, zu der auch Daihatsu Motor und Hino Motors gehören, zwischen Juli und September auch wegen der hohen Spritpreise zum Vorjahr um vier Prozent auf 2,23 Millionen Einheiten. (nz/dpa)