Nachfrage nach Rettungshilfe: 

netzeitung.de«Immer mehr Banken werden Hilfe suchen»

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Bankenviertel in Frankfurt am Main (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bankenviertel in Frankfurt am Main
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Rettungsaktionen wirken schon, meint Bankenexperte Faust in der Netzeitung : Die Gefahr einer Kreditklemme sei aber nicht gebannt. Merkels Rettungsplan hält er teilweise für ökonomisch «fatal».

Der in den vergangenen Wochen ins Stocken geratene Geldfluss zwischen den Banken läuft dank der Maßnahmen verschiedener Staaten – unter anderem wegen des Rettungspakets in Deutschland – inzwischen wieder besser. Zu dieser Einschätzung gelangte der Bankenexperte Martin Faust im Gespräch mit der Netzeitung.

Dafür gebe es auch allen Grund, meinte der Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. «Durch die Rettungspläne wird keine Bank mehr pleite gehen, weder in Deutschland noch in Europa und den USA. Deshalb besteht überhaupt kein Grund, warum die Banken sich untereinander nicht wieder Geld leihen sollten.»
Kreditklemme - oder nur schlechtere Bonität?
Damit sei die Gefahr einer Kreditklemme indes nicht gebannt, schränkte Faust ein. Wegen der schwieriger werdenden Eigenkapital-Lage vieler Banken dürften diese ihr Kreditgeschäft «deutlich herunterfahren», schätzt der Experte. Faust geht aber davon aus, dass die starke Marktposition der Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland eine allzu starke Kreditklemme verhindert.

Zugleich betonte Faust, dass die Klagen von Unternehmen über reduzierte Kreditlinien oder gar verweigerte Kredite nicht allein den Banken anzulasten seien. «Die Unternehmen und Privatpersonen müssen auch kreditwürdig sein», erläuterte Faust. Wegen der Rezession und ihrer Folgen verschlechtere sich bei manchen Unternehmen die Bonität, so dass sie womöglich nur noch erschwert Kredite bekämen. «Das würde ich aber nicht als Kreditklemme bezeichnen, auch wenn das die Industrieverbände so nennen. Die Banken verhalten sich da ganz normal und rational.»
«Fatale» Vorgaben
Das von Bund und Ländern geschnürte Rettungspaket für die Banken begrüßte Faust grundsätzlich als wichtige Maßnahme, um am Markt Vertrauen zu schaffen. Man sollte seiner Meinung nach nicht zu früh darüber urteilen, dass die Banken zunächst kein Interesse daran zeigen: Faust geht davon aus, dass in den kommenden Monaten «immer mehr Institute davon Gebrauch machen werden – auch die, die das jetzt noch weit von sich weisen». Der Grund: die sich womöglich drastisch verschlechternde Eigenkapitallage, die Banken dazu zwingen könnte, doch auf staatliche Hilfe zurückzugreifen.

Faust kritisierte indes die allzu statischen Vorgaben des Plans. Die Deckelung der Kapitalspritze auf zehn Milliarden Euro je Institut sei «völlig unsinnig», urteilte der Bankbetriebswirt. Im Notfall werde der Staat «natürlich mehr geben». Für geradezu «fatal» hält Faust die Vorgabe des Rettungsplans, dass eine Bank ihr mittelständisches Kreditgeschäft in gleicher Größe fortsetzen soll. «Wenn die Bank selbst im Abschwung und in der Rezession ein unverändertes Kreditvolumen geben soll – an Kunden, die aber bonitätsschwächer geworden sind – dann sind höhere Ausfallraten vorprogrammiert.»

Für volkswirtschaftlich verfehlt hält Faust zudem, dass in die geschäftspolitische Ausrichtung der Banken eingegriffen wird, die die Hilfe in Anspruch nehmen. Faust erwartet aber ohnehin, dass die Politik die Regelungen letztlich nicht so strikt wird umsetzen können. Die Diskussion über die Kürzung der Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro hält er für übertrieben: «Das ist nicht dramatisch und wird niemanden abhalten.» Gleichwohl sprach sich Faust dafür aus, dass die Höhe von Tantiemen für Vorstände künftig erst nach mehreren Jahren festgelegt wird, um langfristige Erfolge stärker zu honorieren.


Für das Web ediert von Matthias Breitinger