20.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Josef Ackermann weist Hilfe zurück
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Erst rufen die Banken nach staatlicher Hilfe und nun wollen sie gar keine. Die Regierung ist «befremdet» - vor allem über Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Finanzminister Steinbrück fordert eine Klarstellung.
Die Bundesregierung hat einen «Schirm» aufgespannt zur Rettung angeschlagener Banken. Doch bislang will kein Institut die Hilfe in Anspruch nehmen - und Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, wird vom «Spiegel» gar mit den Worten zitiert, er würde sich «schämen», wenn er in der Krise Staatsgeld annehmen würde.
Diese Äußerung sorgte am Montag im Kabinett für Verstimmung. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert eine Klarstellung des Topmanagers: «Ich fände es wünschenswert, wenn Herr Ackermann öffentlich sehr deutlich machen würde, dass er zu den Unterstützern dieser Konstruktion gehört - zumal er maßgeblich daran mitgewirkt hat», sagte Steinbrück in Berlin.
«Reine Kolportage»Ackermann habe in persönlichen Gesprächen mit ihm selbst darauf gedrungen, dass es in der Finanzkrise nicht bei Einzelfalllösungen bleiben könne, sondern es einer «systemischen Lösung» bedürfe, sagte Steinbrück. Er verlangte zudem eine Klarstellung von Ackermann, dass Finanzinstitute, die den staatlichen Hilfsfonds in Anspruch nehmen, nicht schlechter zu beurteilen seien, als solche Geldhäuser, die das nicht müssten.
Derweil versuchte die Deutsche Bank die Äußerung herunterzuspielen. Sei sei «reine Kolportage», teilte der Finanzkonzern mit. Der «Spiegel» hatte das Zitat am Wochenende gemeldet: Ackermann soll den umstrittenen Satz demnach am Donnerstag vor rund 150 Führungskräften seiner Bank geäußert haben.
Steinbrück sagte weiter, er erwarte, dass sich bedürftige Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen jetzt von sich aus meldeten und den Hilfsfonds nutzten. Die gesetzliche Vorgabe, dass begünstigte Banken ihre Managergehälter auf 500.000 Euro begrenzen müssten, dürfe dabei kein Hindernis sein, sagte Steinbrück. «Das würde ja bedeuten, dass es Bankenmanager in Deutschland gäbe, die, nur weil ihre Vergütung eingegrenzt wird, ihr Institut vor die Wand fahren lassen würden. Das kann ich mir beim Verantwortungsbewusstsein deutscher Manager nicht vorstellen.»
Zuvor hatte schon der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg über «Befremden» des Kabinett ob der Äußerungen Ackermanns berichtet. Die Einlassungen seien «äußerst bedenklich, unverständlich und unakzeptabel», kritisierte Steg. Wer in dieser Situation staatliche Hilfe in Anspruch nehme, der tue «nichts Ehrenrühriges», sondern beweise Mut und handle verantwortungsbewusst, betonte der Sprecher. Es sei «bedenklich», wenn betroffene Unternehmen den Schritt zur Hilfe nicht wagten, weil sie Nachteile befürchten.
Röttgen: «Er hätte besser geschwiegen»Scharfe Kritik an seinen Äußerungen musste Ackermann auch vom Parlamentarischen Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), einstecken. Die Ankündigung, dass die Deutsche Bank keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen werde, sei «ein weiterer schwerer Fehler», sagte Röttgen in der ARD. Ackermann nutze die Situation auch noch, «um einen Wettbewerbsvorteil für sein Institut zu machen, und macht es den anderen schwerer, das Angebot in Anspruch zu nehmen».
Ackermann erzeuge «dadurch möglicherweise auch eine Bankinsolvenz, die doch das Angebot des Staates gerade verhindern soll. An der Stelle hätte er besser geschwiegen», meinte Röttgen. Das Kabinett hatte am Montag strenge Auflagen für Leistungen aus dem Milliarden-Rettungspaket für die Finanzbranche beschlossen. (nz/dpa/AP)