Atomkraftwerke laufen weiter:
Kein Ausstieg bis zur Bundestagswahl
19.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
RWE-Chef Jürgen Großmann hatte bereits Ende vergangenen Jahres in einem «Spiegel»-Interview gesagt, sein Unternehmen werde in dieser Legislaturperiode kein Atomkraftwerk abschalten. Der umstrittene Reaktor in Biblis könne so gefahren werden, «dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen». Danach gebe es vielleicht ein anderes Denken in Bevölkerung und Regierung.
Die Wartungsarbeiten seien technisch notwendig und liefen in Abstimmung mit der Atomaufsicht. «Das Ganze hat keinen politischen Hintergrund.» Der Meiler in Brunsbüttel, der seit 1977 am Netz ist, hat nach seinen Angaben noch eine Reststrommenge, die bei normalem Betrieb für 22 Monate reicht. Bei einem sofortigen Anfahren würde das eine Restlaufzeit bis August 2010 bedeuten, Krümmel hat laut Banek eine Restlaufzeit von acht Jahren, also derzeit rechnerisch bis 2016.
Biblis A ging 1975 ans Netz und ist damit der älteste Atomreaktor in Deutschland. Er soll zwischen dem 27. Februar und 15. September 2009 für eine Revision vom Netz genommen werden, wie eine RWE-Sprecherin erklärte und damit einen Bericht der «Welt am Sonntag» bestätigte. Die genehmigte Reststrommenge von Biblis A reicht demnach jetzt bis mindestens Frühjahr 2010.
Neckarwestheim 1 ist seit 1976 am Netz. Derzeit läuft bei dem Reaktor eine «planmäßige Revision, in deren Rahmen aufwendige Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden müssen», sagte EnBW-Sprecher Dirk Ommeln. «Auch deswegen rechnen wir im Moment damit, dass Neckarwestheim 1 Anfang 2010 noch am Netz sein wird.»
Aus dem Atomkonsens ergeben sich durchschnittliche Laufzeiten von 32 Jahren seit Inbetriebnahme der Kraftwerke. Die Meiler in Stade und Obrigheim gingen danach planmäßig 2003 und 2005 vom Netz. Von den noch produzierenden 17 Atomkraftwerken in fünf Bundesländern sollte das letzte nach dieser Berechnung etwa 2021 abgeschaltet werden. (AP)

