Atomkraftwerke laufen weiter: 

netzeitung.deKein Ausstieg bis zur Bundestagswahl

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Die Reaktoren in Biblis werden so schnell nicht ausgeschaltet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Reaktoren in Biblis werden so schnell nicht ausgeschaltet
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Wird die nächste Bundesregierung von Kernkraft-Befürwortern gebildet? Darauf scheinen die Betreiber von Uralt-Reaktoren zu spekulieren, und reizen den Ausstiegsbeschluss so weit es geht aus.

Beim Atomausstieg und der damit verbundenen Abschaltung alter Reaktoren geht derzeit gar nichts - zumindest nicht bis zur Bundestagswahl. Keiner der Reaktoren, für die in dieser Legislaturperiode die Stilllegung ursprünglich vorgesehen war, geht vor September 2009 vom Netz. Die Kraftwerksbetreiber verweisen auf aufwendige Wartungsarbeiten. Die beiden ältesten deutschen AKWs, Neckerwestheim 1 und Biblis A, bleiben wohl bis 2010 am Netz, wie Sprecher von EnBW und RWE am Wochenende sagten.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, sprach in der «Welt am Sonntag» von «miesen Tricks der Atomlobby». Die Betreiber zögerten die Stilllegung mit Wartungsarbeiten künstlich hinaus, weil sie auf einen Richtungswechsel der nächsten Bundesregierung in der Atompolitik spekulierten.

RWE-Chef Jürgen Großmann hatte bereits Ende vergangenen Jahres in einem «Spiegel»-Interview gesagt, sein Unternehmen werde in dieser Legislaturperiode kein Atomkraftwerk abschalten. Der umstrittene Reaktor in Biblis könne so gefahren werden, «dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen». Danach gebe es vielleicht ein anderes Denken in Bevölkerung und Regierung.

«Zu hoher Wetteinsatz»
Vattenfall-Sprecher Ivo Banek wies derartige Überlegungen für sein Unternehmen am Wochenende zurück. Durch den Stillstand der wegen Störfallen seit mehr als einem Jahr abgeschalteten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel habe man schließlich pro Tag Einnahmeausfälle von einer Million Euro. «Das wäre ein sehr hoher Wetteinsatz auf ein mögliches Ergebnis der Bundestagswahl 2009», sagte er.

Die Wartungsarbeiten seien technisch notwendig und liefen in Abstimmung mit der Atomaufsicht. «Das Ganze hat keinen politischen Hintergrund.» Der Meiler in Brunsbüttel, der seit 1977 am Netz ist, hat nach seinen Angaben noch eine Reststrommenge, die bei normalem Betrieb für 22 Monate reicht. Bei einem sofortigen Anfahren würde das eine Restlaufzeit bis August 2010 bedeuten, Krümmel hat laut Banek eine Restlaufzeit von acht Jahren, also derzeit rechnerisch bis 2016.

Biblis A ging 1975 ans Netz und ist damit der älteste Atomreaktor in Deutschland. Er soll zwischen dem 27. Februar und 15. September 2009 für eine Revision vom Netz genommen werden, wie eine RWE-Sprecherin erklärte und damit einen Bericht der «Welt am Sonntag» bestätigte. Die genehmigte Reststrommenge von Biblis A reicht demnach jetzt bis mindestens Frühjahr 2010.

Neckarwestheim 1 ist seit 1976 am Netz. Derzeit läuft bei dem Reaktor eine «planmäßige Revision, in deren Rahmen aufwendige Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden müssen», sagte EnBW-Sprecher Dirk Ommeln. «Auch deswegen rechnen wir im Moment damit, dass Neckarwestheim 1 Anfang 2010 noch am Netz sein wird.»

Restlaufzeiten richten sich nach Strommenge
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums verwies darauf, dass beim Gesetz über den Atomausstieg von 2002 die Restlaufzeiten der Kraftwerke nicht nach Jahren, sondern nach produzierten Strommengen berechnet wurden. Steht ein Meiler wegen Wartungsarbeiten still und wird deswegen kein Strom produziert, verlängert sich automatisch die Laufzeit.

Aus dem Atomkonsens ergeben sich durchschnittliche Laufzeiten von 32 Jahren seit Inbetriebnahme der Kraftwerke. Die Meiler in Stade und Obrigheim gingen danach planmäßig 2003 und 2005 vom Netz. Von den noch produzierenden 17 Atomkraftwerken in fünf Bundesländern sollte das letzte nach dieser Berechnung etwa 2021 abgeschaltet werden. (AP)