Nach neuestem Telekom-Skandal:
Obermann schafft Vorstand für Datenschutz
10. Okt 2008 20:55
 |  René Obermann handelt - auch für sich selbst | Foto: dpa |
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Damit künftig nicht mehr Riesenmengen an Kundeninformationen verloren gehen, will der Telekom-Vorstandschef mehrere Maßnahmen ergreifen. Es geht nicht nur um das Konzern-Ansehen, sondern auch um seinen Job.
Laut geworden ist es, als Telekom-Chef René Obermann über neue Sicherheitslecks in den Kundendatenbanken des Konzerns informiert wurde. Das berichten zumindest enge Mitarbeiter. Obwohl Sicherheitslücken in einigen Systemen seit Monaten im Konzern bekannt sind, wurden diese nicht geschlossen – nicht nur für Obermann eine «Schlamperei». Er zog nun die Notbremse und kündigte am Freitag ein umfassendes Maßnahmenpaket an, das auch einen zusätzlichen Vorstandsposten für Datenschutz vorsieht. Ohne diesen ist der Datenskandal Deutsche Telekom offenbar nicht mehr zu bändigen.
Auch wenn Obermann beteuert, dass dem Unternehmen bislang trotz der millionenfach kursierenden Datensätze kein Fall bekannt sei, bei dem ein Kunde geschädigt wurde, ist der Vertrauensverlust immens. Zumal der Datenklau umfangreicher ist, als bislang bekannt – bundesweit laufen in sieben Fällen Ermittlungen. Der am Wochenende bekanntgewordene Diebstahl von 17 Millionen Adressen und Telefonnummer von T-Mobile-Kunden ist also nur die Spitze des Eisberges.Möglich wurde der Datenklau über Lücken in den Datenbanken, in denen die Adressen und Telefonnummern der Kunden von T-Mobile und T-Home gespeichert sind. Für Kriminelle sind dies Datensätze von hohem Wert, wie der Erotikunternehmer Tobias Huch vorrechnet. Jährlich ließe sich aus den 17 Millionen Daten, die ihm zugespielt wurden, ein Gewinn von rund 50 Millionen Euro generieren. Huch hatte den Datendiebstahl bei der Telekom gemeldet und gilt damit als wichtiger Zeuge.
Wachstum gefährdet
Die Pannenserie beim Datenschutz setzt Obermann aus mehreren Gründen unter Zugzwang. Zum einen mehrten sich die Rücktritts-Forderungen, die sich verstärken dürften, sollte sich der Datenskandal ausweiten. Zum anderen verliert angesichts der Pannenserie die Telekom das Vertrauen ihrer Kunden, was die Wachstumsfelder Handy und IT-Dienste empfindliche treffen könnte. So wirbt T-Mobile intensiv für die Nutzung des mobilen Internets; doch warum sollten Kunden einem Unternehmen vertrauen, das verantwortungslos mit sensiblen Daten umgeht. Massiv könnte auch die Geschäftskundensparte T-Systems betroffen werden, die Daten von Konzernen wie Daimler, der WestLB, Shell und vielen Behörden auf ihren Rechnern lagert. Nach Informationen von dpa-AFX sind einige Kunden schon nervös geworden und haben T-Systems mit ihrer Sorge konfrontiert. Geht einer der Großkunden von der Fahne, dann verliert die Telekom einen Jahresumsatz in dreistelliger Höhe.
Maßnahmen für Obermanns Job
Mit dem Maßnahmenpaket kämpft Obermann also auch um seinen eigenen Job. Zu lange hat Obermann beim Thema Datenschutz auf seine Untergebenen vertraut. Ein Fehler, wie sich zeigte. Mit der Zuspitzung der Lage setzte bei ihm in den vergangenen zwei Tagen ein Umdenken ein und er votierte für einen eigenen Vorstandsposten, hieß es.Für Konzerninsider kam der Datenskandal nicht überraschend, nur der Umfang. Denn die Telekom konzentrierte ihre Kraft auf die Gewinnung neuer Kunden und Kosteneinsparungen. Dass dabei ein Thema wie der Datenschutz hinten runter fiel, verwundert nicht. Denn Datenschutz kostet Geld. An Investitionen in neue Sicherungssysteme und Personal kommt das Unternehmen nun nicht vorbei. Alleine die Berufung eines neuen Vorstands wird mindestens eine Million Euro pro Jahr kosten, rechnet eine Führungskraft vor. (Martin Murphy, dpa-AFX).